Pflicht zur Rückkehr

Nach einer Bombenexplosion in Nordsyrien. dpa
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Nach einer Bombenexplosion in Nordsyrien. dpa

Zur Berichterstattung über Syrien im Politikteil:. Die Berichte über die Bombardierungen in Ost-Aleppo durch Assad und Putin wecken bei mir Erinnerungen an die Bombenangriffe gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg: Eine Zeit, die ich selbst erleben musste.

Schauen Sie sich einmal die Bilder der Trümmerlandschaften von Hamburg, Köln, Nürnberg, Kassel, München, Heilbronn, Magdeburg etc. an. Die Angriffe auf Wien und Potsdam (April 1945) habe ich selbst als Soldat erlebt. Die Westalliierten machten keinen Hehl daraus, dass es ihr Ziel war, möglichst viele Zivilisten zu töten und gleichzeitig durch die Zerstörung der historischen Architektur auch die Identität unserer Städte zu vernichten. Die mit Flüchtlingen überfüllte Kunstmetropole Dresden wurde im Februar 1945 in ein Flammeninferno verwandelt. Drei Wochen später folgte die barocke Residenzstadt Würzburg, auch sie ohne militärische Bedeutung. Man verurteilt den IS heute zurecht für die gezielte Zerstörung von Kulturdenkmälern – doch machten unsere sogenannten Befreier nicht das Gleiche? Heuchelei damals wie heute ist es ebenso, wenn sich die Noch-US-Regierung unter Obama über die Bombardierungen in Ost-Allepo echauffiert. Schließlich hat sie die Destabilisierung dieser Region ja maßgeblich mitzuverantworten. Im Gegensatz zu Deutschland im Zweiten Weltkrieg sind die Zerstörungen jedoch nicht flächendeckend – es gibt Ausweichmöglichkeiten im eigenen Land. Und so sehr ich mit den Betroffenen mitfühlen kann, muss ich doch sagen: Die vielen jungen Männer, die zu uns gekommen sind, haben jetzt die Pflicht, zurückzukehren und ihr Land wiederaufzubauen. Genauso wie wir Deutsche, die wir nicht fliehen konnten und auch nicht auf die Idee gekommen wären, unser Land und unsere Familien im Stich zu lassen, es auch tun mussten!

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