Parlament muss kein Abbild der Gesellschaft sein

Zum Bericht „Wir sind die Hälfte“ (Bayernteil):

Die Landesvorsitzende der Frauen-Union bemängelt, dass die Gesellschaft in den Parlamenten nicht richtig abgebildet werde. In der Tat: Frauen machen 51 Prozent der Gesellschaft aus, haben aktuell aber nur 31 Prozent der Bundestagsmandate. Andererseits sind unter den 1,2 Millionen Mitgliedern der Bundestagsparteien nur 29 Prozent Frauen, und dafür erscheinen 31 Prozent der Mandate nicht unrecht.

Generell ist es aber ein Trugschluss, dass das Parlament ein Abbild der Gesellschaft sein soll. Denn dann gäbe es nichts zu wählen. Das Abbild einer Gesellschaft gewinnt man nicht durch eine Wahl, sondern durch eine Stichprobe. Dazu müssten die 700 Mandate des Bundestages unter den 70 Millionen Staatsbürgern per Los bestimmt werden. Dann wären alle Gruppen im Maßstab 1:100 000 gerecht abgebildet: Die Männer (49 Prozent), die Frauen (51 Prozent), die Extremen, die Frommen, die Sportlichen und auch die Unpolitischen. Und für die Mitglieder aller politischen Parteien blieben gerade noch zwölf der 700 Mandate. Mehr gäbe ihr 1,7-Prozent-Anteil unter den Staatsbürgern nicht her.

Prof. Dr. Johannes Schroeter Großkarolinenfeld

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