Papst Franziskus und der Zölibat

Zum Bericht „Paukenschlag im Vatikan: Papst Franziskus überrascht mit Zölibat-Schreiben“ auf der Welt-Seite:

Selbst auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Der Zölibat gilt auch heute schon in der katholischen Kirche nicht weltweit. Er gilt im sogenannten lateinischen Teil der katholischen Kirche, nicht aber in den katholischen Ostkirchen (griechisch-katholische, rumänisch-katholische und andere)! Dort gilt er nur für Bischöfe und für die bei der Diakonenweihe noch ledigen Priesteramtsanwärter. Es wäre also durchaus möglich, für das Amazonas-Gebiet etwas zuzulassen, was es auch in Europa längst gibt. Desgleichen ist es janusköpfig auf der einen Seite die Frauen ganz offiziell zu diskriminieren und auszuschließen, in der Seelsorge aber dringend auf die Mitwirkung von Frauen angewiesen zu sein. Wie sonst könnte es sein, dass etwa in der Kolbermoorer Stadtkirche drei (!) Pastoralreferentinnen tätig sind.

Hans Winhart

Ostermünchen

Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Nicht nur der Papst, sondern der liebe Gott selbst hat Recht gesprochen. Nachzulesen im Alten und Neuen Testament. Wer damit nicht einverstanden ist, kann ja zu der bereits reformierten Kirche wechseln, da finden sie alles. Der Wille Gottes zählt – nicht der des Menschen!

Sigrid Mair

Bad Feilnbach

Natürlich sind manche nicht glücklich über die Entscheidungen, die Papst Franziskus getroffen hat. Aber es bleiben dadurch auch viele Probleme erspart. Frauen, die eh schon die Lasten der Mutterschaft zu tragen haben, werden nicht in Versuchung geführt, sich als Priesterin die besonderen Lasten der Christusnachfolge, die im Extremfall bis zum Kreuz gehen, aufladen zu wollen. Priester werden nicht in Versuchung geführt, neben der Liebe zu Christus und seiner Kirche auch noch die Liebe zu Frau und Kindern unter einen Hut bringen zu müssen. Schnell würden sie entdecken, dass der Diener zweier Herren immer konfliktreich zwischen zwei Stühlen sitzt. Die Kirche muss sich auch nicht damit auseinandersetzen, wie sie mit geschiedenen Priestern umgehen soll. Dass mit anderen Strukturen nicht gleichzeitig eine Glaubenserneuerung verbunden ist, sehen wir an der evangelischen Kirche, der es keinen Deut besser geht. Wir brauchen begeisterte Christen, die andere wieder für Christus begeistern können. Dann wird es im Auf und Ab der 2000-jährigen Geschichte der katholischen Kirche auch bei uns wieder aufwärts gehen.

Hildegard Sochatzy

Kirchdorf

Nein, er ist nicht immer gut. Und viele Gründe gäbe es, sich dem Zeitgeist zu widersetzen, der den Profit schon lange über alle geistigen Werteordnungen dieser Welt erhoben hat. Ob aber die Ehelosigkeit der Priester dazu einen Beitrag leisten kann, darf bezweifelt werden. Wer den natürlichen Sex zwischen Mann und Frau verbietet, der öffnet das Tor zu homophilen Neigungen auch bei bis dato heterosexuellen Anwärtern. Weil ein vollkommen sexfreies Leben dem Körper und dem Geist ganz offensichtlich mehr Schaden zufügt als Nutzen. Dass solchermaßen „Geschädigte“ für den Dienst an ihrer Kirche – und den Dienst an der Welt – nützlicher sein können als andere, bleibt allein das Credo des Vatikans. Für den Rest der Welt hingegen wirkt es wie ein jämmerliches Festklammern am Dogma der Unfehlbarkeit. Nicht wenig spricht dafür, dass ein unter strengem Sexual-Verdikt geführtes Leben einem gesunden Menschen sogar erheblich mehr Lebensenergie raubt, als es ihm zuführt. So könnte es leicht aus einem Menschen zwei machen: den sichtbaren, der sich den Dogmen seines Priesteramtes ergibt – und den unsichtbaren, der ständig Ausschau hält, wie und wo er sich dem Sexualverbot dieses Dogmas möglichst regelmäßig aber unbemerkt entziehen kann. Wie viel wertvolle Energie mag dieser Zwiespalt verzehren? Energie, die an sehr viel wichtigerer Stelle dringend benötigt würde. Eine wenigstens erkennbare Trendwende in Sachen Zölibat wäre geeignet gewesen, das derzeit getrübte Bild der Kirche wieder aufzuhellen. Das böte auch der Kirche die Möglichkeit, sich in immer schwierigeren Zeiten umso überzeugender für die Restitution verloren gegangener, sittlicher und geistiger Werte einzusetzen. Und hier auf möglichst große Gefolgschaft zu hoffen – die nunmehr anderen Predigern jeglicher Couleur ihre Gefolgschaft andienen könnte.

Manfred Ebeling

Raubling

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