Pandemie ist keine Strafe Gottes

Zu „Corona: Ein Thema, viele Meinungen“ (Leserbriefe):

Die Sorgen von Leserbriefschreiber Jakob Grandl will ich gerne ernstnehmen. Auch ich leide unter der Gottferne in so manchen Bereichen in unserer Gesellschaft. Auch ich will die Grundwahrheiten unseres christlichen Glaubens bewahren, indem ich diese in „neuem Gewand“ den Menschen von heute bezeuge. Wenn ich auf die Geschichte unseres Glaubens schaue, hat es immer Veränderungen, Neuerungen, Aufbrüche gegeben, angefangen bei Jesus und seinen Jüngern. Wie sagte vor Kurzem unser Herr Kardinal: „Die Kirche hat eine Botschaft für alle Menschen. Sie muss jetzt neu ihre Sendung begreifen. Sie kann sich nicht in eine museale Vergangenheit zurückziehen. Wir müssen uns fragen, warum wir manchmal so sehr an alten Vorstellungen und Traditionen hängen, die aber heute nichts mehr zu sagen haben.“ Damit ist aber nicht gemeint, Gott zu verlieren, Grundwahrheiten des Glaubens aufzugeben wie die Auferstehung Jesu von den Toten oder die Realpräsenz Jesu in der Kommunion. Was aber bei allem Verständnis nicht geht, ist, dass Sie Unwahrheiten verbreiten! Unsere Kirche hat niemals die Zehn Gebote Gottes abgeschafft. Ebenso nicht „Fegfeuer“ und „Hölle“, wenngleich diese von Zerrbildern befreit weitere Bedeutungsinhalte bekommen haben. Und dass unsere Kirche die Schuld und Sünde der Menschen leugnet, ist falsch! Was mir als Katholik wirklich weh tut, ist, dass Sie bestimmte Gottesdienste als „Schunkelmessen“ abtun oder dass Sie die Helfer in den Gottesdiensten als „Kramscher im Tabernakel herum“ bezeichnen. Das geht bei aller Liebe nicht! Ich stehe zu den Aussagen unseres Herrn Kardinals, dass die Corona-Pandemie und auch die andern von Ihnen angeführten Vorgänge niemals Strafen Gottes sind! Um das zu begreifen, braucht es allerdings ein intensives und auch geschultes Lesen der Heiligen Schrift, auch im Lichte Jesu!

Bernd Schmitz

Bad Aibling

Jakob Grandl bleibt in seinem Leserbrief schuldig, ob seine Behauptung, die Corona-Pandemie sei eine von Gott gesandte kollektive Bestrafung der „Menschheit“ eine göttliche Eingebung des nächtens war oder ganz einfach nur seine persönliche Meinung ist. Er scheint auf jeden Fall ein Befürworter der Kollektiv-Bestrafung zu sein, wie die katastrophalen Waldbrände in Australien, wo -zig Millionen Tiere umgekommen sind (was können die für die Bosheit und Sünden der Menschen?) oder die überproportional vielen Toten in Alten- und Pflegeheimen aufgrund des Coronavirus (sind überwiegend gläubige Menschen). Wer nicht bedingungslos an Gott glaubt, muss gnadenlos bestraft werden, gegebenenfalls eben auch im Kollektiv! Herr Grandls Breitseite gegen Pfarrer Rainer Maria Schießler ist nur durch Ignoranz zu erklären: Die katholische Kirche erfährt zur Zeit durch diesen „etwas moderneren“ Pfarrer einen enormen Zulauf. Zur Forderung der Kirche, so bald wie möglich wieder Gemeinschafts-Gottesdienste abzuhalten: Hier besteht keine Dringlichkeit, jeder hat die Möglichkeit für sich selbst zu beten. Gibt es einen Unterschied, ob alleine oder in Gemeinschaft gebetet wird? Auf die finanzielle Situation der Kirche dürfte es keinen Einfluss haben.

Wolfgang Maier

Bruckmühl

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