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OVB-Forum zum Ukraine-Krieg

„Friedhofsruhe zu Putins Bedingungen“ wegen atomarer Gefahr? So denken die Leser über Waffen-Lieferungen

Ein Mann kocht neben seinem Haus in Mariupol, der weitgehend zerstörten Stadt im Osten der Ukraine.
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Ein Mann kocht neben seinem Haus in Mariupol, der weitgehend zerstörten Stadt im Osten der Ukraine.

Ist Russlands Despot Wladimir Putin durch die Lieferung schwerer Waffen zu stoppen oder könnte das ein atomares Inferno auslösen? Die Meinungen der OVB-Leser sind geteilt.

Volker Rellinghaus (Mühldorf): Putin legt in seinem Angriffskrieg gegen das ukrainische Volk eine Menschenverachtung an den Tag, die der Stalins, Maos und auch der Nationalsozialisten in nichts nachsteht. Und trotzdem ist es absolut falsch, mit dem Beweggrund der Beendigung dieses Überfalls, Waffen jedweder Art an die Ukraine zu liefern.

Waffen werden immer nur zu mehr Leid, mehr Toten, mehr Verletzten und mehr Vernichtung führen. Die CDU/CSU, nun in der Opposition aus dem Tiefschaf erwacht (Wer hat uns denn über Jahrzehnte in die Energieabhängigkeit von Russland getrieben und die regionale, regenerative Energieautonomie verhindert?), treibt in Person von Friedrich Merz und Alexander Dobrindt unseren spröden Kanzler vor sich her, bis dieser einknickt und nach Helmen zuerst kleinere Waffen und nun sogar schwere Waffen an die Ukrainer zu liefern gewillt ist.

Die SPD hat offensichtlich nichts aus 1914 gelernt. Die wild nach Waffenlieferungen schreiende Friedenspartei „Die Grünen“ muss erst noch viel lernen. So furchtbar und schmerzhaft es auch sein mag, dem Angriffskrieg eines Herrn Putin mit seinen massiven Völkerrechtsverletzungen kann die Welt im atomaren Zeitalter medial nur zusehen. Das weiß Putin, und er spielt damit. Er mag zwar ein krankhaftes Verhalten an den Tag legen, dumm ist er sicherlich nicht.

Glauben denn die Nato-Staaten im Ernst, dass 41 Millionen Ukrainer mit Hilfe von westlichen Waffen 146 Millionen Russen aufhalten können? Ein Eingreifen analog zum alliierten Gegenangriff auf Deutschland verbietet sich aufgrund der atomaren Bedrohung. So hart und ungerecht es sein mag: Es muss auf diplomatischer Ebene eine Lösung herbeigeführt werden, bei der Putin gefühlt mit erhobenen Hauptes das Terrain der Ukraine verlässt.

„Die Bundeswehr verfügt nicht mal über Munition für den Gepard“

Hans Kürner (Rosenheim): Die OVB-Heimatzeitungen berichten, dass Deutschland, sprich: Bundeskanzler Olaf Scholz, endlich die von der Ukraine schon seit Langem zur Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg benötigten „schweren Waffen“ liefern wird. Verteidigungsministerin Christine Lambrecht verkündet dies nun stolz. Doch was bedeutet das? Die Bundeswehr hat als Hauptwaffensystem vor allem den Kampfpanzer Leopard 2. Nun soll die Ukraine wenigstens den Flakpanzer Gepard erhalten, der von der Bundeswehr vor vielen Jahren als veraltet und reparaturanfällig aussortiert wurde. Und so steht er (außer im „Militärmuseum“) angeblich unüberdacht herum, wo er bei Regen und Schnee vor sich hin rostet. Und ob die Gummiteile des Gepards inzwischen wie die Reifen der russischen Panzerwagen vor Kiew zerbröseln, muss auch erst geprüft werden. Und über Munition für den Gepard verfügt die Bundeswehr auch nicht. Und dann soll der Gepard angeblich die Waffengattung mit der längsten Ausbildungszeit in der Bundeswehr sein. Und ob die deutschen Ausbilder Ukrainisch oder Russisch sprechen oder die Ukrainer Deutsch?

Alles Fragen über Fragen, die aber unsere Verteidigungsministerin als ausgewiesene Militärexpertin sicherlich aus dem Effeff beantworten kann. Wann werden also (zudem genügend) funktionsfähige Gepards mit ausgebildeter Besatzung in die Ukraine geliefert werden können? Hoffentlich nicht erst dann, wenn sie in die Hände der dann eventuell durch ihre Lufthoheit siegreichen Russen fallen könnten, die sie dann in der Moldau oder im Baltikum einsetzen könnten. Frei nach Gorbatschow modifiziert: „Wer zu spät kommt, den bestrafen selbst die vor Kiew unterlegenen Russen.“

Rita Manna (Stephanskirchen): Wir werden täglich einseitig, unauffällig im Konjunktiv, mit grauenvollen Nachrichten aus dem Kriegsgebiet überhäuft, an deren Ende die Meldung folgt: „Überprüfen lassen sich diese Meldungen nicht.“ Heißt das im Klartext, wir werden subtil und undurchsichtig manipuliert?

Ich fürchte, es wird hüben und drüben gelogen. Den Behauptungen des absoluten Medienprofis Herrn Selenskyj (stets vermeintlich volksnah auftretend im braunen/olivfarbenen T-Shirt) kann doch genauso wenig Glauben geschenkt werden wie den Behauptungen des Herrn Putin. Peter Scholl-Latour erkannte schon 2014, dass wir durch die technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters im Zeitalter der medialen Massenverblödung leben.

„Wir jammern und jammern“

Hugo Huber (Söchtenau): Wir jammern und jammern – über den Krieg in der Ukraine; über den Klimawandel und den Flächenverbrauch; über die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise; über die Lebensmittelknappheit und die Not in der Welt; über das Ausscheiden der Bayern aus der Champions League…

Viele dieser Punkte sind eng miteinander verbunden. Schauen wir auf den „Flächenverbrauch“. Solange wir immer noch an das Märchen „Wohlstand braucht Wachstum“ glauben, wird sich an diesem Problem wenig ändern. Viele Verantwortliche haben nicht den Mut, neue Wege zu gehen.

Die Gewerbesteuer ist wichtiger als eine intakte Umwelt. „Schwerter zu Pflugscharen“ hieß es einmal (wie aktuell dieser Wunsch leider gerade wieder ist). Ich möchte diese Sprichworte ergänzen mit „Getreide statt Gewerbe“. Sehen Sie den Zusammenhang „Krieg – Boden – Leben“? Es ist immer wieder das alte Spiel der Macht.

Wir tragen Verantwortung für unsere Nachkommen. Wir müssen unseren Kindern und Enkeln Antworten geben auf ihre Frage „Warum...?“

Verbauen wir unseren Kindern und Enkeln nicht die Zukunft. Übergeben wir ihnen eine Welt, die lebenwert ist. Eine berühmte Rede mahnt uns: „Erst wenn der letzte Baum gerodet ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Lassen wir es nicht so weit kommen. Schließen wir Frieden – mit der ganzen Schöpfung.

„Ist Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln?“

Ulrich Kretzschmar (Prien): Von Karl von Clausewitz, dem berühmten preußischen Militärstrategen, stammt der bekannte Satz: „Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“ Dahinter steht die Vorstellung, dass ein Problem, welches mit den friedlichen Mitteln der Politik nicht gelöst werden kann, eben mit den gewaltsamen Mitteln des Krieges gelöst werden muss. Clausewitz ging also generell von der Führbarkeit von Kriegen aus.

Er dachte dabei an die sogenannten Kabinettkriege des 19. Jahrhunderts, welche sich vor allem auf den Schlachtfeldern abspielten und die Zivilbevölkerung weitgehend verschonten.

Im 20. Jahrhundert jedoch wurden die Kriege immer totaler, insbesondere der Zweite Weltkrieg mit seinen vielen Millionen toten Soldaten und Zivilisten. Angesichts dieser ungeheuren Vernichtungswirkung moderner Waffen verbreitete sich die Überzeugung, dass Kriege verbrecherisch seien und nicht mehr geführt werden dürften. „Nie wieder Krieg!“ hieß die Parole.

Auch Gorbatschow stellte den Krieg generell infrage: „Können wir weiter an der Auffassung festhalten, Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln?“ Aber was nützt das alles, wenn Präsident Putin die Lehren der Geschichte, welche aus den bitteren Erfahrungen vieler Völker gezogen wurden, einfach in den Wind schlägt und einen brutalen Angriffskrieg vom Zaun bricht, als sei nichts gewesen?

Mit seiner Geschichtsvergessenheit und historischen Unbelehrbarkeit versündigt er sich auf das Schwerste nicht nur am ukrainischen Brudervolk, sondern an der gesamten Völkergemeinschaft. Seine Kriegsverbrechen – nämlich sein Krieg gegen die Ukraine als solcher sowie die barbarischen Massaker seiner Soldateska – sind ungeheuerlich und mit nichts zu entschuldigen.

„Waffen erzeugen Gegenwehr“

Anna Estner (Bad Aibling): Ich war kein Fan von Herrn Kanzler Scholz. Aber er hat recht: Waffen erzeugen Gegenwehr. Ihr Einsatz verursacht unendliches Leid und Tod. Das habe ich als Kind vom vierten bis zum elften Lebensjahr erlebt, ich bin im Banat geboren. Wir dürfen uns nicht einmischen. Putin ist gefährlich. Wir sind kein Bruderland der Russen.

Meine Mutter wurde 1944 von den Sowjets verschleppt. Sie war fünf Jahre im Kohlebergwerk in der Ukraine. Krautsuppe und Brot wurden die Hauptnahrung. Mein Vater ist an der Westfront gefallen. Das war 1944. Deutschland ist für nichts verantwortlich. Wir können nicht die ganze Welt retten. Und was macht Putin? Er ermordet seine Brüder und Schwestern. Es wäre ein schwerwiegender Fehler, Waffen zu liefern. Hilfsbereitschaft ist gut, aber ohne Waffen.

Reinhard Huber (Grassau): Wenn der russisch-orthodoxe Kirchenführer Kirill diesen Krieg gegen die Ukraine befürwortet, dann ist der Teufel nicht mehr weit. Der steht in Person von Putin hinter ihm und klopft ihm auf die Schulter.

Bernward Schmidt (Prutting): Die Situation ist eindeutig, Herr Bauer? Die Ukraine kann einen Krieg gegen Russland nicht gewinnen? Das stimmt dann, wenn man ihr Waffenlieferungen verweigert. Apropos eindeutig: Behaupteten nicht Experten vor dem Krieg, die Ukraine würde in wenigen Tagen von der russischen Übermacht überrollt werden? Wie man sieht, ist das vollständig eingetreten.

Selenskyj, demokratisch gewählt, soll zurücktreten? Klar, er hat den Krieg vom Zaun gebrochen. Die Ukraine als neutraler Staat ohne Nato-Mitgliedschaft mit Autonomie für den Donbass? Ich dachte bisher, die Ukraine sei ein souveräner Staat, der selbst über seine Belange bestimmt. Die Sicherheitsinteressen Russlands und die Mitschuld des Westens anerkennen? Immer noch nicht verstanden, dass diese Sicherheitsinteressen Putins nur vorgeschoben sind, um seine zaristischen Großmachtträume zu realisieren?

Die Erzählung von den gebrochenen Versprechen des Westens stimmt nicht. Abgesehen davon: Nichts entschuldigt einen völkerrechtswidrigen Krieg, der gegen jedes Kriegsrecht gegen die Zivilbevölkerung geführt wird. Was ist eigentlich mit der Krim und der Südukraine? Welchen Status erhalten die?

Die Waffen nieder – Friede ist möglich? Wohl eine Friedhofsruhe zu den Bedingungen Putins. Oder glauben Sie ernsthaft, dass der die Waffen niederlegt? Die Ukraine ergibt sich also widerstandslos, der Kriegstreiber Putin triumphiert und kann weitermachen. Das sichert gewiss den Frieden. Soll man einen derartigen Leserbrief, der das Recht des Stärkeren zur Richtschnur erhebt, grenzenlos naiv oder gnadenlos zynisch nennen?

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