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OVB-Leserforum

Prunkbauten? Weit weg von Jesus? Heftige Debatte um die Zukunft der Kirche

Menschen drängen sich auf dem Petersplatz im Vatikan, als Papst Franziskus aus dem Fenster seines Ateliers das Angelus-Mittagsgebet spricht.
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Menschen drängen sich auf dem Petersplatz im Vatikan, als Papst Franziskus aus dem Fenster seines Ateliers das Angelus-Mittagsgebet spricht.

Die Berichte über den Zustand der Katholischen Kirche lösen eine heftige Diskussion unter den OVB-Lesern aus. Wie soll es in Zukunft weitergehen?

Josef Grundner (Stephanskirchen): Die Rolle der Frauen in der jungen Kirche als Diakonie zu beschreiben, ist heute missverständlich. Von Phoebe, der Leiterin der Gemeinde in Kenchräe, schreibt Paulus, dass sie sich für die Gemeinde „abmühe“. Genau mit diesem Begriff umschreibt aber der Apostel seine eigene Tätigkeit im Dienste der Gemeinden. Phoebe macht also nichts anderes als Paulus. In einer Übersetzung schreibt Paulus über Phoebe, dass er von ihr viel gelernt habe. Natürlich nicht das Kochen, sondern sie war offensichtlich auch seine theologische Lehrmeisterin. Von Petrus hätte Paulus dies nie geschrieben.

In den ersten Jahrhunderten gab es in der Kirche nur Dienste zu vergeben. Mit ihnen waren keinen Vorrechte verbunden. Als aber Posten mit Vorrechten gegenüber den Laien in der Kirche vergeben wurden, wurden die Frauen endgültig aus allen Ämtern verdrängt. Von einem Priestertum – abgehoben von den Laien – kann allerdings erst ab dem fünften Jahrhundert gesprochen werden.

Mich wundert es, dass die Frauen unbedingt ein Priesteramt anstreben, wo es doch eindeutig von Jesus her gedacht eine Fehlentwicklung ist. Die ständische Verfassung der katholischen Kirche kommt nicht von Jesus, sondern ist das Ergebnis des Einflusses des Vatikans. Die katholische Kirche ist weit weg von den Anliegen des Jesus von Nazareth. Ich möchte nur an das Jesuswort erinnern: „Nur einer ist euer Meister, ihr alle seid Schwestern und Brüder.“ Da ist kein Platz für Hierarchie.

„Unberechtigte Subventionen für die Kirche“?

Peter Müller (Waldkraiburg): Der unsachliche und unfaire Leserbrief von Jürgen Nothaft bedarf einer deutlichen Erwiderung. Er vermischt subjektive moralische Werturteile mit der pauschalen Unterstellung strafbarer Handlungen durch „die Kirche“.

So behauptet er, dass die Kirche „unter dem Deckmantel der Mildtätigkeit Verbrechen begeht“ und „Reichtümer ergaunert“. Sachinhalte wirken unklar. Von welcher großen Religionsgemeinschaft hat sich diese „okkulte Sekte“ Kirche abgespaltet, wie es der Sektenbegriff etymologisch nahelegt?

Er meint, „alle Wohltaten der Kirche würden zum Großteil vom Staat refinanziert“. Darüber ließe sich diskutieren. So nahmen etwa die katholische und evangelische Kirche im Jahr 2012 zusammengerechnet 9,82 Milliarden Euro an Kirchensteuer ein. Zusätzliche Staatsleistungen sowie zweckgebundene Zahlungen betrugen in besagtem Jahr 960 Millionen Euro. Ein Großteil? Was die angeblich unberechtigten staatlichen Subventionen dieser „mafiaösen Organisation“ anbelangt, gibt die Geschichte von Staat und Kirche Auskunft. Wobei die Säkularisation 1803 mit ihren Rechtsfolgen einen wesentlichen Anschub darstellte, später fortgeführt durch Konkordate und Körperschaften des öffentlichen Rechts.

Damit wäre auch die Erhaltung von „Prunkbauten“ zu erklären. Herr Nothaft behauptet, im Kirchenaustritt zeige sich „gesunder Menschenverstand“ und Vernunft. Das heißt im Umkehrschluss, dass er diese Fähigkeiten den Mitgliedern der Kirche abspricht. Was den Umgang mit „aufklärerischen Ketzern“ betrifft, liegt die Bewahrung vor dem Scheiterhaufen für heutige Kirchenkritiker nicht darin begründet, dass die „scheinheilige Bande“ Kirche keine direkte Macht mehr hat, sondern dass die Kirche selbst die Entwicklung der europäischen Aufklärung durchlaufen hat.

„Eine bedeutunglose Sekte“?

Horst Tidhalm (Waldkraiburg): Die Grundvoraussetzung ist eine völlig falsche: Das denkende Individuum muss sich selbst für oder gegen eine wie auch immer geartete (religiöse) Spiritualität entscheiden können. Das heißt, der Mensch muss sich willentlich der Kirche zuwenden. Im hiesigen Kulturkreis verleibt sich die Kirche ihre Mitglieder kurz nach der Geburt per Taufe ein und indoktriniert diese über Firmung und Konfirmation und weiter ein Leben lang.

Völlig undenkbar, aber stellen Sie sich einmal vor, man würde als ADAC-Mitglied oder als CSU-Mitglied (wäre für Bayern zumindest nicht ganz abwegig) auf die Welt kommen und dann lebenslang „bearbeitet“ werden. Stellen Sie sich darüber hinaus vor, man dürfte einer Religionsgemeinschaft erst bei Volljährigkeit aus eigenem Willen beitreten. Dann wäre die Kirche das, was sie ohne 1700 Jahre Macht- und Gewaltausübung gewesen wäre: eine bedeutungslose „Sekte“.

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