Organspende – eine moralische Pflicht?

Viel zu wenige Bürger entscheiden sich dafür,sich als Organspender zur Verfügung zu stellen. Ein neuer Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn ist nun gescheitert. dpa
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Viel zu wenige Bürger entscheiden sich dafür,sich als Organspender zur Verfügung zu stellen. Ein neuer Gesetzesentwurf von Gesundheitsminister Jens Spahn ist nun gescheitert. dpa

Zum Bericht „Große Organspende-Reform abgeschmettert“ (Politikteil):

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit sollte auch noch nach dem Tode gelten. Der verstorbene Mensch ist kein „Ersatzteillager“ für andere Menschen, auch nicht für solche, die dringend eine Organspende bräuchten. Die Betonung liegt auf „Spende“! Spenden kann und darf man nicht erzwingen. Der nun einige Jahre zurückliegende Organspende-Skandal hat gezeigt, dass damit Missbrauch getrieben worden ist – zugunsten privilegierter Patienten. Dann kommt auch die Frage auf, ab wann der Tod tatsächlich eingetreten sein soll. Ich möchte nicht schwer verletzt bei lebendigem Leibe ausgeweidet werden, wenn noch eine geringe Überlebenschance gegeben sein sollte. Ich möchte – zu Lebzeiten und darüber hinaus – selbst bestimmen, ob und wem ich meine Organe spende. Nein, ich will nicht, dass mich das Gesundheitsministerium zu einem Organspender erklärt, falls ich nicht ausdrücklich und amtlich widerspreche. Bei vielen Angelegenheiten des täglichen Lebens wird immer wieder auf Freiwilligkeit bestanden – siehe das Beispiel Tempolimit. Da wäre also jeder Raser, der mit dem superschnellen starken Motorrad auf dem Sudelfeld tödlich verunglückt, ein potenzieller Organspender. Eine ortsnahe Organsammelstelle könnte also dort aufgemacht werden – gewinnbringend, gerne für die Meistbietenden. Dies könnte also, so wie es die Widerspruchslösung vorsieht, schon mit dem Erwerb der Fahrerlaubnis verbunden sein... Die Organsammel-Logistik könnte an verheißungsvollen Orten – im Verbund mit den Transplanta tionskliniken bereitgestellt werden. Bei allem Verständnis für die Bedürftigen, die auf eine Organspende angewiesen sind: einen Rechtsanspruch auf „Lieferung“ der benötigten Organe darf es nicht geben! Spende bleibt Spende – das heißt, dass diese auf Freiwilligkeit beruht, und nicht erzwungen werden darf, schon gar nicht vom Staat.

Fritz G. Schott

Rosenheim

Mit großer Empörung habe ich die Ablehnung der Widerspruchslösung zur Kenntnis genommen. Im Grundgesetz ist die Selbstbestimmung des Menschen verankert. Durch die Widerspruchsmöglichkeit wäre sie trotzdem mit ein bisschen Aufwand über den Hirntod hinaus gesichert gewesen, wenn sich der angeblich so mündige Bürger nicht nur über das, was er vom Staat fordern kann, informieren würde, sondern auch über seine Pflichten. Vollkommen unverständlich wird die monatelange Diskussion vor der Abstimmung dadurch, dass der Zusammenhang zwischen Organspender und Organempfänger kaum herausgestellt wurde. Mit welchem Recht kann ich erwarten, ein Organ zu bekommen, wenn ich es ablehne, nach meinem Hirntod einem anderen Menschen zu helfen? Weil es in unserer zunehmend beliebigen und konsequenzlosen Republik unethisch wäre, mir ein Organ vorzuenthalten! Ist es aber nicht viel weniger ethisch, einen Mitmenschen leiden oder sterben zu lassen, dem man nach dem eigenen Hirntod ein Organ geben könnte? In der Diskussion wurde nicht herausgestellt, dass es ein Akt der Nächstenliebe ist, einem lebenden Mitmenschen nach dem eigenen Tod zu helfen. Auch die Kirchen taten dies nicht. Ich gehe einen Schritt weiter und sage, es sollte uns eine Ehre sein, einem anderen helfen zu können. Minister Spahn hat einen mutigen und richtungsweisenden Gesetzesentwurf vorgelegt, der durch die Bedenkenträger unserer Republik abgelehnt wurde. Beschämend ist jedoch nach verlorener Abstimmung seine Zufriedenheit damit, Denkanstöße gegeben zu haben, die im allerbesten Fall eine marginale Verbesserung für die Betroffenen zur Folge haben, da sich an der Bequemlichkeit der Bürger nichts ändern wird, da mögliche Spender ja vom Staat nichts brauchen.

Dr. Herbert Tschiesche

Vogtareuth

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