Opfer und Täter zugleich

Zum Bericht „Vergeblicher Bauernprotest“ (Bayernteil):

Landwirte protestieren vor Discountern gegen niedrige Erzeugerpreise und vor der Münchner Staatskanzlei gegen das Gesetz zum Insektenschutz. Zu Recht? Jein! Denn die Landwirte sind Opfer und Täter zugleich in einem Teufelskreis aus verfehlter Landwirtschaftspolitik, stagnierenden oder fallenden Erzeugerpreisen, steigenden Produktionskosten, Klimawandel und Artensterben, der gerade die bäuerlichen Familienbetriebe an den Rand der Existenz oder darüber hinaus treibt.

Kernursache ist die gemeinsame Agrarpolitik der EU, die auf maximale Ertragssteigerung durch intensiven Einsatz von Düngemitteln, Pestiziden und Insektiziden ausgerichtet ist. Subventionen werden nach wie vor zu 80 Prozent nach Fläche vergeben, was die agrarindustriellen Großbetriebe massiv bevorteilt. Etwa 20 Prozent der Agrarbetriebe erhalten rund 80 Prozent der flächenbezogenen Subventionen. Wenn die Bundeslandwirtschaftsministerin jüngst die Senkung der rein flächenbezogenen Subventionen von 90 auf 80 Prozent als Agrarwende feiert, ist das Rosstäuscherei.

Um in diesem fehlgelenkten Markt mitzuhalten, müssen konventionell wirtschaftende Bauern Intensivlandwirtschaft oder Massentierhaltung betreiben, um über die Runden zu kommen. Das beschleunigt das Artensterben und den Klimawandel, der Wetterextreme, Dürren und Bodenerosion zur Folge hat, was wiederum die landwirtschaftlichen Erträge mindert. Nur eine echte Agrarwende, die Bauern unterstützt, umweltgerecht zu wirtschaften, Artenschutz zu betreiben, das Tierwohl zu achten und faire Preise zu erzielen, wird das Problem lösen.

Heribert Burdick

Bernau

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