Ein Opfer für Europa?

Zur Berichterstattung über den Brenner-Nordzulauf (Bayern-, Regional- und Lokalteil):

Man glaubt der Politik und den Bahnen nicht, dass eine neue Trasse notwendig ist und man sieht nicht ein, dass man in Rosenheim und im Inntal ein Opfer einer verfehlten deutschen und europäischen Verkehrspolitik werden soll, also wehrt man sich dagegen.

Aber ist Europa tatsächlich der Schuldige? Der Brenner-Nordzulauf ist zwar Teil des europäischen Güterverkehrsprojekts für die Haupttransversale Nord/Süd über die Alpen. Die hier anfallenden enormen Gütermengen sind aber keine Erfindung einer geschäftstüchtigen europäischen Transportwirtschaft, egal ob auf der Straße oder der Schiene, sondern Folge der globalen Weltwirtschaft. Der Anteil Deutschlands daran ist beträchtlich, sowohl innerhalb Europas als auch weltweit. Wir sind nach China Exportweltmeister und viele Güter verlassen Deutschland in südlicher Richtung. Weder verkaufen wir diese Waren am Grenzübergang Kufstein, noch haben wir einen Hafen am Meer – dieser Export/Import läuft vorrangig über den Brenner, überwiegend auf der Autobahn, weil sie bisher der einzige leistungsfähige Alpenübergang ist. Wenn man hier also von einem Opfer sprechen will, dann war es bisher die Tiroler Bevölkerung des Inn- und Wipptals, die dieses Opfer für Deutschlands Wirtschaft und unseren Wohlstand gebracht hat und unter dem starken Lkw-Verkehr leidet. Aber sie ist nicht länger dazu bereit. Es ist ja nicht so, dass Österreich seinen Reichtum der Brennermaut und den Steuereinnahmen aus dem Dieselverkauf verdankt.

Nun nimmt man in Österreich, Italien und Deutschland sehr viel Geld in die Hand, um die Voraussetzungen zu schaffen, diese Last durch eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene zu verringern. Die EU finanziert einen Großteil davon, weil ein umweltfreundlicher europaweiter Verkehr nur gemeinsam erreicht werden kann.

Manfred Kreibig

Pocking

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