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Nordzulauf ein sinnvolles Projekt?

Der geplante Brenner-Nordzulauf – hier bei Riedering – sorgt für anhaltende Diskussionen.
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Der geplante Brenner-Nordzulauf – hier bei Riedering – sorgt für anhaltende Diskussionen.

Zur Berichterstattung über den Brenner-Nordzulauf (Regionalteil):

Die Gegner der Erweiterung um zwei zusätzliche Gleise argumentieren damit, für diesen Ausbau bestehe kein „Bedarf“ oder zumindest sei dieser noch nicht nachgewiesen. Für den Begriff „Bedarf“ gibt es zwei gleichwertige und gleichrangige Komponenten – die eine ist die bereits zitierte, quantitative Komponente. Hier geht es um die Volumina oder Frequenzen auf der Strecke. Vollkommen außer acht bleibt die viel wichtigere, die qualitative Komponente, nämlich die Verbesserung der Zuverlässigkeit und der Pünktlichkeit.

Die Qualität in dieser Hinsicht ist im deutschen Bahnnetz – im internationalen Vergleich – erbärmlich. Japan, seit über 60 Jahren, und China machen vor, was die sogenannten „dedicated passenger lines“ (etwa: ausschließlich dem Passagierverkehr vorbehaltene zusätzliche Gleise) für die Pünktlichkeit bringen. Die Statistik der Deutschen Bahn zählt Verspätungen bis 16 Minuten überhaupt nicht mehr als Verspätung. Derartige Verspätungs-Werte erreicht die Bahn Japans noch nicht einmal bei schweren Erdbeben oder Taifunereignissen. Im regulären Verkehr werden Verspätungen in Japan im Sekundenbereich (pro Zug und Jahr!) registriert.

Was der Ausbau aber auch für die Zuverlässigkeit des Güterverkehrs bedeutet, zeigen Ereignisse, die den Warenverkehr beeinträchtigen, wie die Totalsperrung der Rheintal-Strecke nach einem Bauunfall oder die kürzliche Blockade des Suez-Kanals. Es wäre für die Zukunftsfähigkeit solcher Strecken, wie dem Brenner-Nordzulauf, von überragender Bedeutung, der qualitativen Komponente beim „Bedarf“ höchste Aufmerksamkeit zu widmen.

Martin Theurer

Schleching

„Güter auf die Schiene!“ heißt das Schlagwort der Politik, um für eine klimaverträgliche Verkehrswende zu werben. Wer schon mal zu Ferienbeginn am Brenner im endlosen Lkw-Stau stand, sieht dies sicher genauso. Eine Erweiterung des Brenner-Nordzulaufs um eine Neubautrasse scheint damit ein absolut sinnvolles Projekt. Aber ist das wirklich so? Stehen die gigantischen Eingriffe in Natur und Umwelt unserer Region wirklich im Verhältnis zu einer ökologischeren Zukunft? Der Bund Naturschutz meint: „Nein!“ Denn das bestehende Schienennetz (inklusive der Umfahrung Münchens über Landshut-Mühldorf) ist derzeit längst nicht ausgelastet und könnte nach einer Ertüchtigung mit Schallschutz nach Neubaustandard und digitalem Zugsicherungssystem durchaus die notwendige Anzahl Züge aufnehmen – mit einem Bruchteil der Kosten und einem Minimum an Umweltzerstörung.

Die CO2-Emission des geplanten Trassen-Neubaus ist dagegen so riesig, dass sie sich, wenn überhaupt, bestenfalls in vielen Jahrzehnten ausgleichen lässt – für Klimaneutralität bis 2045 ist sie absolut kontraproduktiv! Muss das Wachstumscredo unserer Wirtschaft angesichts der Endlichkeit unserer Ressourcen und der bereits fühlbaren Klimakrise nicht ohnehin dringend auf den Prüfstand? Noch mehr Güter quer durch Europa, noch mehr Konsum? Wozu? Für eine Gesellschaft, die jetzt bereits ein Müllpro blem hat?

Und hat nicht gerade die Corona-Krise auch die Verletzlichkeit unserer globalisierten Strukturen gezeigt? Wir sollten wieder mehr auf regionale Wirtschaft setzen und weniger auf den Ausbau des transeuropäischen Güterverkehrs. Höchste Zeit, dass sich die Politik in Berlin – auch die der Grünen! – endlich differenziert mit dem Projekt „Brenner-Nordzulauf“ auseinandersetzt!

Margit Kraus

Hohenthann

Der Brenner-Nordzulauf sei kein rein deutsches Projekt, sondern Teil eines internationalen Korridors, der sieben Länder betrifft und direkte Auswirkungen auf 77 Millionen Menschen habe, sagt Frau Ludwig (OVB vom 4. Mai 2021). Die direkten Auswirkungen auf unsere Heimat sind anscheinend hinzunehmen. Wieso ist eine ertüchtigte Bestandsstrecke nicht gut genug für Europa?

Trudi Goebel

Raubling

Auch wenn manche OVB-Leser des Themas überdrüssig werden: Das Projekt Brenner-Nordzulauf betrifft uns alle, aus ökologischer Sicht – und auch als Steuerzahler! Dass ausgerechnet Frau Ludwig als Vertreterin unseres Landkreises dem Projekt ohne die gesetzlich geforderte Grundlage (seriöser Bedarfsnachweis, Nutzen/Kosten-Rechnung > 1) vorschriftswidrig zur Aufnahme in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegegesetzes verholfen hat, ist ein Skandal, ebenso Verkehrsminister Scheuers glatte Weigerung, über ein „ob“ eines solchen Projekts überhaupt weiter nachzudenken. Gern wird in diesem Zusammenhang das Loblied des „Wohlstands für alle“ gesungen.

Dass von dem Wirtschaftswachstum der letzten Jahrzehnte bei den einkommensschwachen Schichten aber tatsächlich nichts hängengeblieben ist, sollte uns dieser Argumentation gegenüber argwöhnisch machen. Sehen Politiker wie Scheuer und Ludwig vielleicht die Rolle der Allgemeinheit darin, als Steuerzahler ein Projekt in Milliardenhöhe zu finanzieren, von dem dann wieder vor allem die Konzerne profitieren – und ihr eigenes Prestige? Den wirklichen Vorteil haben nicht 77 Millionen Europäer, wie Frau Ludwig vorgibt, sondern eher eine Handvoll Politiker und Wirtschaftsmagnaten.

Und was hat die Region davon? Eine ökologische Katastrophe: die Zerstörung der Natur unserer Heimat in einem Ausmaß, das nie mehr gutzumachen sein wird; die Gefährdung unserer Trinkwasserversorgung; eine CO2-Emission, von der sehr fraglich ist, ob sie in der Zukunft überhaupt je ausgeglichen werden kann; und eine empfindliche Schädigung der heimischen Landwirtschaft (ein anscheinend unwichtiger Wirtschaftszweig). Alles finanziert mit unseren Steuergeldern!

Wilfrid Mache

Hohenthann

Am 6. Mai beantwortete die Bahn Fragen zum Brenner-Nordzulauf. Dabei wurden zwei sehr interessante Konflikte klar. Zum einen wurde zuerst wieder berichtet, dass die Trasse für den Personen-/Güter-Mischverkehr mit Geschwindigkeiten bis 230 km/h ausgelegt wird und die Bedarfsprognose, auf der die Planung basiert, auf ein Verhältnis von 20 Prozent Personen- und 80 Prozent Güterverkehr auf der Neubaustrecke basiert. Auf die später gestellte und auf den ersten Blick zusammenhanglose Frage, ob es denn Überholmöglichkeiten gibt, kam die Antwort: Nein, es ist auf der ganzen Strecke keine Überholmöglichkeit vorgesehen! Wie bitte soll das funktionieren? Man stelle sich eine einspurige Straße ohne Überholmöglichkeit vor, auf der Pkw mit 230 und Lkw mit 100 fahren sollen.

Dann wird zum anderen stets betont, dass durch die neue Trasse der öffentliche Nahverkehr durch die zusätzlichen Gleise verbessert wird. Auch hier kam an anderer Stelle die Frage auf, wie es mit dem weiteren Verlauf Richtung München aussieht.

Die Antwort, und so steht es auch in den Planungsunterlagen: zwischen Grafing und Trudering bleibt es bei zwei Gleisen. Dann die Ergänzungsfrage: Warum geht es da mit zwei Gleisen und im Inntal nicht? Antwort: „Weil da die Gleise so gerade und kaum Bahnhöfe sind!“

Wie eigentlich auch die Bahn wissen müsste, verkehren zwischen Rosenheim und München doppelt so viele Nahverkehrszüge wie zwischen Rosenheim und Kufstein. Das wäre, wie wenn man von München nach Rosenheim eine zweispurige Autobahn baut und weiter nach Kufstein vierspurig. Als Fazit wird klar: Auf der Neubaustrecke wird kein Güterverkehr fahren und der Nahverkehr wird durch die zusätzlichen Züge eher schlechter. Unsere Heimat wird wegen einer reinen Personen-Schnellstrecke zerstört.

Michael Kölbl

Stephanskirchen

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