Nicht gleich Rücktrittskeule schwingen

Zu „Matthäus: Bei EM-Aus Rücktritte im DFB“ (Sportteil) und der Diskussion um den DFB und Löw:

Man kann dem Team ja wegen des Spanien-Spiels und den teils blutleeren Auftritten im Herbst das eine oder andere vorwerfen, sollte aber auch immer fair bleiben und erst mal schauen, ob nicht auch strukturelle Probleme, wie der immer dichter werdende Terminplan der Profikicker und ein künstlich aufgeputschtes Format wie die Nations League, Motivation und Einsatzbereiteschaft der Spieler an solchen Abenden, wo es eben noch nicht um alles oder nichts geht, sinken lassen.

Zu hinterfragen wäre ebenso, ob es in Corona-Zeiten sinnvoll ist, die Spieler weiterhin mit dem Höchstpensum, also fünf oder sechs Wettbewerben gleichzeitig zu belasten und sie dem zusätzlichen Länderspielstress mit zahllosen Corona-Tests und langen Anreisezeiten auszusetzen. Oder ob man den einen oder anderen Wettkampf mal aussetzt oder auf ein kleines Format herunterfährt. Um eben nicht gleich mit der Rücktrittskeule zusätzlichen Druck aufzubauen, wie ein Lothar Matthäus oder ein Mehmet Scholl. Die Statements der sogenannten Experten sind bestenfalls amüsant, tragen aber zu einer sachlichen Debatte wenig bei. Löw und DFB haben auch genug Fehler gemacht. Aber in einem Jahr mit Corona und all seinen immensen Folgen, sollt man die Dinge etwas vorsichtiger beurteilen und bereits Monate vor der EM eine Nachfolger-Diskussion anzuheizen, bringt dem Team nichts.

Oder wollen die Kritiker eine Lame duck, die bei der EM gnadenlos versagt? Dann hätte man damals, als Löws Vertrag vor der Weltmeisterschaft 2018 so verlängert wurde, dass man von einem Freifahrtschein sprechen muss, seine Kritik äußern müssen. Aber damals hat man von diesen „Experten“ nichts gehört.

Christian Hummel

Unterhaching

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