Nicht alle Rentner können verzichten

Das waren noch Renten-Zeiten: 1986 plakatierte der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) auf dem Bonner Marktplatz das erste Plakat einer Informations-Aktion. Der Slogan „... denn eins ist sicher: Die Rente“ blieb ihm. Ende April ist Norbert Blüm gestorben. dpa
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Das waren noch Renten-Zeiten: 1986 plakatierte der damalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) auf dem Bonner Marktplatz das erste Plakat einer Informations-Aktion. Der Slogan „... denn eins ist sicher: Die Rente“ blieb ihm. Ende April ist Norbert Blüm gestorben. dpa

Zu „Eine Rentenerhöhung zur Unzeit“ (Leserbriefe):

Wenn ich die Beiträge dieser beiden Leserbriefschreiber lese, muss ich mich fragen, wie hoch ist deren Rente, das sie so großzügig auf eine Erhöhung verzichten können. Diese Rentenerhöhung beruft sich auf die Lohnentwicklung von 2019 also, rückwirkend. Es steht jedem frei, seine Lohnerhöhung von 2019 oder seine Rentenerhöhung dem Staat oder gemeinnützigen Institutionen zu spenden. Aber die über drei Millionen Rentner, die von Altersarmut bedroht sind, freuen sich über 3,45 Prozent Rentenerhöhung. Also sollte man vorsichtig sein, über das Geld anderer zu entscheiden.

Christine Weber

Stephanskirchen

Die Leserbriefe können nicht unwidersprochen bleiben, zeugen sie doch von eklatanter Unkenntnis. Die Rentenerhöhungen richten sich nach dem Durchschnittseinkommen des Vorjahres. Es wird also im nächsten Jahr mit Sicherheit eine „Nullrunde“ geben; eine Absenkung der Renten ist gesetzlich verboten und das ist gut so (Rentengarantie)! Die Pensionserhöhungen der Beamten richten sich nach den Tarifverhandlungen im Öffentlichen Dienst, also gibt es dort eine Erhöhung, auch bei schlechter Konjunktur. Herr Krause schreibt: „Die kräftige Rentenerhöhung wird die Steuerzahler und die Rentenversicherung zusätzlich enorm belasten.“ Hier irrt Herr Krause, denn durch die Rentenerhöhung wird der Steuerzahler nicht belastet, denn die Renten werden alleine durch die Beiträge der Versicherten und Arbeitgeber getragen. Im Gegenteil, der Finanzminister und damit unser Staat nehmen aus der Rentenkasse pro Jahr rund 20 Milliarden Euro für allgemeingesellschaftliche Aufgaben. Diese 20 Milliarden Euro tragen allein die Versicherten. So schuldet der Staat seit 1957 der Rentenversicherung rund 800 Milliarden Euro. Es bleibt den Leserbriefschreibern unbenommen, ihre Rentenerhöhung zu spenden, wenn sie denn eine so gute Rente haben.

Holger Mairoll

und Peter Weis

Kolbermoor

Es ist schön, dass die beiden Leserbriefschreiber offensichtlich eine sehr gute Rente haben. Dies soll ihnen auch vergönnt sein. Aber dass sie hierauf auf andere schließen, treibt mir die Zornesröte ins Gesicht. Der überwiegende Teil der Rentner freut sich über jede Anpassung der Altersbezüge – zumal davon auszugehen ist, dass schon in Kürze die Kranken- und Pflegekassenbeiträge erheblich angehoben werden. Von anderen zu erwartenden Erhöhungen einmal abgesehen. Mal abwarten, was dann davon noch übrig bleibt. Vielleicht muss der Kleinrentner dann nur noch jeden zweiten Tag Flaschen sammeln. Es ärgert mich maßlos, wenn Leute sich anmaßen, über das Einkommen anderer richten zu wollen. Es ist jedoch niemandem verboten, Geld aus einer Rentenerhöhung, das er nicht braucht, an Bedürftige zu spenden.

Georg Blabsreiter

Raubling

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