Neue Abgasnorm „Euro7“ mehr als verhängnisvoll

Zum Bericht „Merkel warnt vor Euro-7-Norm“ und zum Kommentar von Martin Prem „Merkels zaghafter Auftritt“ (Politik):

Im Kommentar von Martin Prem wird die von Brüssel geplante neue Abgasnorm EU 7 als verhängnisvoll bezeichnet. Dies ist stark untertrieben. Hier nur einige zusätzliche Informationen:

1. Die neue Norm verlangt Einhaltung der ohnehin zu niedrigen Abgaswerte (zum Beispiel für Stickstoffdioxid) auch bei im Vergleich zum Normalbetrieb selteneren Betriebsbedingungen wie direkt nach Kaltstart, bei Vollgas oder bei Betrieb mit einem Anhänger. Dies ist physikalisch unmöglich. (Der Katalysator benötigt eine bestimmte Betriebstemperatur für optimale Reinigungswirkung).

2. Somit würden ab 2025 nicht nur Diesel- und Benzin-Pkw quasi mit einem Betriebsverbot belegt, sondern auch Fahrzeuge mit Hybrid-antrieb!

3. Der CO2-Ausstoß eines Elektroautos wird mit null g gerechnet, obwohl bei Produktion (vor allem des Akkus) und Betrieb erhebliche Emissionen entstehen. Der Strom-Mix ist eben (noch lange) nicht auf dem Niveau, das sich grüne Ideologen wünschen.

4. Neben einer vernichtenden Umweltbilanz (ein E-Pkw holt einen modernen Diesel erst nach rund acht Jahren Betrieb ein) haben die meisten E-Fahrzeuge die Nachteile von lächerlichen Reichweiten (nur geeignet für Regionalbetrieb) und vermutlich noch lange nicht ausreichender Anzahl von Ladestationen sowie fraglicher Stromversorgung, wenn sehr viele gleichzeitig laden müssten.

Daher mein Fazit: Die neue Abgasnorm wäre eine Gefahr für die Mobilität von Millionen von Menschen und für die Arbeitsplätze von Tausenden. Reine E-Mobilität mag eine Übergangslösung sein, die aber ohne moderne Diesel- und Benzinmotoren nicht funktioniert, bis eine Wasserstofftechnologie praxisreif ist. Alles andere scheint ein ideologisch und emotional verbrämter Irrweg zu sein.

Dr. Klaus Carsten

Bernau

Anstatt massenhaft Hybridfahrzeuge mit legal geschöntem, aber unrealistischem Kraftstoffverbrauch oder E-Fahrzeuge mit miserabler Ökobilanz zu fördern, könnte man auch nach dem gescheiterten Ein-Liter-Prototypen und dem Drei-Liter-Auto von VW ein realistisches Zwei-Liter-Auto mit 1- oder 2-Zylinder-Diesel und leichter Karosserie deutlich unter 10 000 Euro auf den Markt bringen.

Dazu den PS-Wahn mit deutlichen Steuererhöhungen ab 100 PS in vernünftige Bahnen lenken. Den Zehn-Liter-Kraftstoffverbrauch eines Euro-7-Fahrzeugs kann auch ein zwei Liter fressender Euro-6-Stinker in seiner Ökobilanz spielend unterbieten.

Bernd Reuter

Pfaffing

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