Naturschutz außer Acht gelassen

Kahlschlag: Auf dem Grundstück an der Töginger Straße in Mühldorf fielen zahlreiche alte Bäume. Das Thema erhitzt die Gemüter in der Stadt und beschäftigt auch unsere Leser.
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Kahlschlag: Auf dem Grundstück an der Töginger Straße in Mühldorf fielen zahlreiche alte Bäume. Das Thema erhitzt die Gemüter in der Stadt und beschäftigt auch unsere Leser.

Zum Bericht „Grüne fordern Verordnung zum Schutz von Bäumen“ (Lokalteil):

Skrupellos wurde die komplette Rodung des Grundstücks an der Töginger Straße vorgenommen. Ich habe die weitläufige Fläche mit wunderschönem Baumbestand bisher als Oase für zahllose Tiere und Pflanzen wahrgenommen. Darüber hinaus war sie auch eine kleine grüne Lunge im Innenstadtbereich, welche sicher ihren Beitrag zur Abkühlung der Stadtluft beigetragen hat. Ein Stück Lebensqualität für uns alle.

Darf so etwas in Zeiten, in denen wir um die prekäre Lage unseres Ökosystems wissen und es unser aller Verpflichtung ist, unseren Beitrag zum Schutz der Lebensgrundlagen zu leisten, wirklich passieren? Wenn schon der Abriss der Stadtvilla unbedingt sein muss, wäre es denn nicht ein wunderbares Projekt gewesen, den Baumbestand in die Planungen mit einzubeziehen? Ein Vorzeige-Projekt zu schaffen, bei dem Natur und Wohnen im Einklang stehen? Diese Chance wurde vertan. Das macht sprachlos. Nun sollte es außer Frage stehen, dass eine eingehende Prüfung durch die zuständigen Behörden erfolgen muss, ob und welche Verpflichtungen zu Ersatzpflanzungen möglich sind. Und wäre es nicht einen Versuch Wert, als Bürgermeister den Dialog mit dem Eigentümer zu suchen? Denn was definitiv kein Ersatz sein kann, ist ein großflächiger Neubau, gepflasterte Stellplätze und ein paar Buchsbäume im Kies.

Vieles wurde unwiderruflich zerstört. Dennoch habe ich die Hoffnung, dass dieser Frevel Anlass für eine positive Entwicklung in der Stadt sein kann. Lassen wir etwas Neues aus dieser Geschichte wachsen. Eine Baumschutzverordnung wie sie nun die Stadtratsfraktion der Grünen vorantreibt, könnte ein wirksames Instrument sein, die Lebensqualität in unserer Stadt zu erhalten und zu verbessern. Denn das sollte unser aller Ziel sein.

Fabian Dalhoff

Mühldorf

Wieder einmal ist ein Stück Grün im Herzen Mühldorfs durch Kahlschlag zu beklagen. Obwohl die Verfassung des Freistaates Bayern in Artikel 141 fordert: „Mit Naturgütern ist schonend und sparsam umzugehen“, konnte diese Rodung unter den Augen der Fachstelle im gegenüberlegenden Landratsamt durchgeführt werden.

Mit diesem Altbestand an Bäumen wurde ein gewaltiger CO2-Speicher und Sauerstoffproduzent vernichtet, der eine Temperatursenkung im Sommer bewirkte, ein Feinstaubfilter war, in dem es Artenvielfalt gab und der das ganze Wohngebiet aufgewertet und geprägt hat. Klar, kann nicht jeder Baum erhalten werden, aber diese Rodung ist nicht zu verantworten. Dieser Kahlschlag zeigt die mangelnde Sozial- und Umweltkompetenz dieses Unternehmens. Es ist zu befürchten, dass ein Investor mit dieser Einstellung eine unangemessen dichte Bebauung durchdrücken will.

Doch ist das der richtige Weg? Haben wir in der Zeit der Pandemie nicht gelernt, wie gut es tut ins Grüne rausgehen zu können. Es gibt inzwischen Studien, die belegen, wie gesundheitsfördernd ein grünes Umfeld sowohl für das Arbeitsfeld als auch den Wohnbereich ist.

Hier sind die Stadträte gefordert, einen Rahmen für eine Bebauungsform vorzugeben, die dem Umfeld mit großzügig eingegrünten Einzelhäusern entspricht. Dieser Vorgang zeigt wieder, dass alle, von der Regierung bis zum Bürger, für Natur- und Umweltschutz sind und gegen den Klimawandel, aber im Einzelfall alle guten Vorsätze beiseitegelegt werden und die Gewinnmaximierung Vorrang hat.

Oskar Rau

Mühldorf

Als Nachbarn sind wir zutiefst traurig über den Verlust des wunderbaren Anwesens zwischen Töginger Straße und Schlüsselbergstraße. Etwas ganz besonderes und wertvolles ist für immer verschwunden.

Im Lauf der Jahreszeiten hätte es wieder viel Leben zu beobachten gegeben. Im März hätten wir alle das Meer aus Schlüsselblumen und Leberblümchen bestaunen können, im Juni die märchenhafte Glühwürmchenvorstellung, im Juli hätte die majestätische Kiefer feuerrot in der Abendsonne geleuchtet, im Oktober wäre die erhabene Reihe von Baumriesen am östlichen Grundstücksrand in all ihren Farben zur Geltung gekommen und im nächsten Januar hätte man die Eichhörnchen wieder durch die vielen winterlichen Wipfel springen gesehen.

Dieser prächtige Waldgarten war ein dynamisches Biotop, eine Insel der Artenvielfalt, Spender von frischer Luft und Kühlung im Sommer, Barriere gegen Verkehrslärm und Alltagshektik, ein Quell der Ruhe und Freude. Er hat das Viertel seit Jahrzehnten gekennzeichnet und bereichert.

Er fehlt allen, die hier wohnen und arbeiten. Und nicht nur uns – zahlreiche Menschen aus Stadt und Landkreis haben ihre Bestürzung zum Ausdruck gebracht – jeder kannte die alte Villa und ihren außergewöhnlichen Park mitten in der Stadt. Hoffen wir, dass die Neugestaltung des Areals im Geiste unserer naturverbundenen Nachbarin sein wird und man dem Viertel so viel Natur und Lebensqualität wie möglich zurückgibt. Hier könnte man neue, zukunftsweisende Maßstäbe setzen! Vielleicht gibt es ja schon Pläne?

Mit Erlaubnis des neuen Eigentümers haben wir in den letzten Wochen Setzlinge aus dem Grundstück geholt. Vielleicht könnten so wenigstens die Nachkommen einiger Bäume Orte zum Weiterleben finden.

Möge in Zukunft in Fällen wie diesen von Anfang an respektvoller, schonender und weitsichtiger vorgegangen werden! So könnten überlebenswichtige Rückzugsgebiete geschützt, Charakter bewahrt und Menschen für Neues gewonnen werden.

Sabine Angerbauer

William Stacey

Mühldorf

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