Natürlicher Rechtssinn

Zur Diskussion um das weltweite Bevölkerungswachstum (Berichte im Politikteil, Leserbriefe):

Der wirkliche Grund für die Forderung nach "mehr Kindern" ist folgender: Das Produktionsvolumen übersteigt seit langem die Bedürfnisse. Deshalb kam man auf die famose Idee, dass nicht die Nachfrage das Angebot zu regeln hat, sondern umgekehrt das Angebot die Nachfrage.

Die Wirtschaft hat nicht nur Ware zu produzieren, sie braucht auch Käufer dafür, also mehr Kinder. Sparen heißt nicht mehr "Maßhalten" und "Gürtel enger schnallen" wie bei Bundeskanzler Erhard, sondern "mehr Konsum", mehr Verbrauch, zum Beispiel mehr Auffahrunfälle, mit anderen Worten mehr Ressourcenverbrauch, mehr Umweltzerstörung, weniger Lebensqualität und so weiter. Mit ein wenig gesundem Verstand und Selbstdenken müsste man einsehen, dass immer nur Wachstum nicht gut enden kann.

Die sozialen Versicherungssysteme sind in Schieflage geraten, weil Maschinen die Arbeit von Menschen übernommen haben. "Mehr Kinder" ändert daran nichts. Eine soziale Politik müsste demnach die kinderarmen und nicht die kinderreichen Familien fördern, damit diese Kinder genügend Platz für ein menschenwürdiges Leben vorfinden.

Da muss ich unwillkürlich an Martin Luther denken: "Das weiß ich wohl, dass kein Staat durch Gesetze glücklich regiert werden kann. Denn ist die Obrigkeit verständig, so regiert sie alles besser nach natürlichem Rechtssinn. Darum ist im Staat mehr dafür zu sorgen, dass gute und verständige Männer an der Spitze stehen..."

Dr. Helmuth Weber

Prien

Kommentare