Nahost: Sehnsucht nach Frieden

- Zur Situation im Gaza-Streifen (Berichte und Kommentare im politischen Teil): Als vor 60 Jahren das britische Mandat über Palästina zu Ende ging, erfüllte sich für die Juden endlich der Traum vom eigenen Staat.

Auf Grundlage der UN-Resolution 181, dem so genannten Teilungsplan, vom 29. November 1947 sollte die jüdische Seite 56 Prozent des ehemaligen Mandatsgebiets erhalten. Eine noch von den Engländern durchgeführte Zählung ergab für Palästina: 1,3 Millionen Araber, 600000 Juden (durch Einwanderung) und 149000 Christen. Für den arabischen Teil - also für die Palästinenser - waren 44 Prozent des Gebiets vorgesehen, obwohl die schon Jahrhunderte dort wohnten und weitaus den größten Teil Palästinas ausmachten. Ein eigener Staat für die Palästinenser kam nicht zustande. Um Platz zu machen für den neuen Staat Israel, wurden mit brutaler Gewalt an die 700000 Palästinenser durch die jüdische Untergrundarmee «Hagana» aus ihren Besitzungen vertrieben. Ein großer Teil davon lebt heute noch in Flüchtlingslagern ohne Hoffnung auf Rückkehr. Und ohne Aussicht, in Aufnahmeländer eingegliedert zu werden. Damit kündigte sich ein bis heute andauernder blutiger Konflikt an, der zahllose Opfer auf beiden Seiten forderte und in dem unversöhnlicher Hass das Geschehen diktierte. Land für die Palästinenser oder gar ein eigener Staat für sie kommt für die Juden nicht in Frage. Somit werden auch die Kämpfe im Gaza-Streifen nur weitere Blutopfer und noch mehr Hass und Elend bei der einfachen Bevölkerung bringen, aber keinen Frieden.

Albert Lachner sen.

Rimsting

Seit seiner Gründung führt Israel Kriege, die es nicht gewinnen kann. Je erfolgreicher sich der künstlich geschaffene Staat gegen Aggressoren und Aufständische zur Wehr setzt, desto stärker wächst der Hass seiner Feinde und führt ihnen neue Kräfte zu. Israels Sieg - wenn man denn davon sprechen will - besteht darin, bis heute zu existieren. So wenig, wie die Gaza-Offensive Frieden und Sicherheit für die Region bringen wird, so wenig war die Situation vor dem Angriff auf Dauer haltbar: Kein Land der Welt kann seinen Bürgern erklären, dass sein Leben unter täglichem Raketenbeschuss normal und hinnehmbar sei. Die Radikalen der Hamas haben den vereinbarten Waffenstillstand nie eingehalten, und sie haben immer und ausschließlich unschuldige Zivilisten ins Visier genommen. Die Bewohner des Gaza-Streifens sind Geiseln der Hamas, und nicht Geiseln Israels. Hört der Beschuss Israels auf, stellt Jerusalem das Feuer ein - aber umgekehrt wird das nie dauerhaft der Fall sein.

Hanskarl Hindenberg

Aschau

Im März 2008 forderte Frau Merkel von Israel «schmerzhafte Kompromisse». Kein Jahr später lässt sie sich vernehmen: «Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung.» Das also ist Politik! Der Aggressor wird zum Abwehrer; der Menschenverächter zum Friedensengel, der Wiederholungstäter (Libanon 2006) zum Opfer. Und so liest sich Erich Fried, verfolgter Jude im Dritten Reich, in «Höre Israel» vor 20 Jahren: «Ihr habt euch Land geben lassen von denen, die kein Recht hatten, es euch zu geben.» Die USA unterlaufen unter dem Kriegsverbrecher Bush alle Friedensbemühungen im Sicherheitsrat und bei der UNO, Frau Rice stellt ihre Reiselust über den Verhandlungswillen und wollte nur durch Schachern so viel wie möglich für Israel herausschlagen und den Palästinensern keine Zugeständnisse machen.

Alfons Lakowski

Rosenheim

Ein amerikanischer Politikwissenschaftler bezeichnet Bundesbürger, die sich mit dem Vorgehen des iraelischen Militärs gegenüber vor allem den Zivilisten im Gaza-Streifen nicht anfreunden können, als Linke, Humanisten und Antisemiten. Zu diesen Vorwürfen mag sich dieser Leser selber sein Bild machen. Allerdings schließen sich diesen Protesten durchaus auch ernsthafte Menschen an, denn warum sonst reisen hochrangige Politiker vom UN-Generalsekretär bis hin zu Außenminister Steinmeier in die Region? Dem Autor der Kolumne, James W. Davis, hingegen sage ich ein Wort des ehemaligen Bundespräsidenten Heinemann: «Wer auf einen anderen Menschen zeigt, vergesse nie, dass drei Finger der Zeigehand auf ihn selber weisen.»

Jörg Kern

Waldkraiburg

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