Nagelprobe für Jäger-Präsidenten

Zu „Wir wollen zurück zur Demokratie“ (Interview mit dem neuen BJV-Präsidenten Ernst Weidenbusch, Bayernteil):

Nach Feudalismus und Anarchie zurück zur Demokratie: Mit derart starken Worten ist der neue Präsident des Bayerischen Jagdverbandes (BJV) angetreten. Den Beweis dafür, dass beim BJV von nun an Demokratie Einzug hält, kann Herr Weidenbusch sogleich antreten. Und zwar dadurch, dass er sich für die Abschaffung der fragwürdigen Pflicht zur Vorlage der Trophäen (Geweihe) bei den Hegeschauen stark macht. Dafür haben sich nämlich nicht weniger als rund 95 Prozent der 8892 Jäger ausgesprochen, die sich an dieser vom BJV durchgeführten Umfrage beteiligt haben.

Der CSU-Landtagsabgeordnete Weidenbusch (57) kam auf Initiative seiner Frau erst vor sechs Jahren auf die Idee, die Jagdprüfung zu machen. Und jetzt ist der Jungjäger Weidenbusch schon Jagdpräsident – eine steile Karriere. Sein Vize Roland Weigert ist Staatssekretär unter dem Oberjäger Hubert Aiwanger im Wirtschaftsministerium. Die jetzige politische Doppelspitze beim BJV ist einzigartig unter den Jagdverbänden der deutschen Bundesländer.

Unser Wald ist durch den Klimawandel existenziell bedroht. In dieser Notsituation ist Waldumbau geboten. Voraussetzung dafür sind waldverträglich und gesetzeskonform einregulierte Schalenwildbestände. Sehr viele Waldbesitzer sind von der Jägerschaft enttäuscht. Nicht wenige von ihnen haben das Heft selber in die Hand genommen, betreiben als Jagdgenossen erfolgreich Eigenbewirtschaftung anstatt Verpachtung bzw. als Inhaber von privaten, kommunalen und staatlichen Eigenjagdrevieren waldverträgliche Regiejagd. Ob die neue Führung des Bayerischen Landesjagdverbandes willens und befähigt ist, eine tragfähige Brücke zur Waldbesitzerseite zu schlagen, um beim Waldumbau gute Lösungen zu finden, wird sich weisen. Zweifel sind berechtigt.

Hans Soyer

Rosenheim

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