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Nachkriegs-Generationen am Pranger?

Die Flaggen von Europa, Israel und Deutschland vor dem Berliner Reichstagsgebäude wehten am 17. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, auf Halbmast.
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Die Flaggen von Europa, Israel und Deutschland vor dem Berliner Reichstagsgebäude wehten am 17. Januar, dem Holocaust-Gedenktag, auf Halbmast.

Zu „Wie oft noch Gedenktage?“ (Leserbriefseiten):

Ich kann Herrn Hellwig nicht zustimmen, schon deshalb, weil kein sauberer Schlussstrich gezogen wurde. Viele, die grausame Verbrechen begangen hatten, sind nach dem Krieg gleich wieder in ihre alten Positionen übernommen worden. Ob Lehrer, Richter, Ärzte oder dann wieder Bundeswehr. Es waren Leute dabei, die tausendfachen Mord begangen haben und durch Gerichte in der Nachkriegszeit nicht belangt wurden. Auch Männer des Volkssturms erschossen Juden. Keiner dieser Herren war dazu gezwungen. Da sitzt eine Partei im Bundestag, deren Vorsitzender diese Zeit als „Vogelschiss“ bezeichnete. Da kann man nur hoffen, dass uns nicht bald der nächste Vogelschiss trifft, wenn man die „braune Sauce“ in den neuen Bundesländern beobachtet. Ich als Demokrat und die große Mehrheit der Deutschen haben nichts gegen das Erinnern. Nur ein Land, das die dunklen Seiten nicht vergisst, hat in Zukunft eine Chance. Da können manche Länder noch daran arbeiten.

Hans Dax

Eiselfing

Herr Hellwig behauptet in seinem Leserbrief, mit den Gedenktagen zum Holocaust werde unsere nachwachsende Bevölkerung an den Pranger gestellt. Ich bin nicht mehr ganz so nachwachsend, sondern war am Ende des Zweiten Weltkriegs sechs Monate alt. Nach dem Ende meines Studiums zog ich Anfang der 1970er-Jahre in eine mittelgroße Stadt, die eine kleine jüdische Gemeinde hatte. Ich machte dort den länger gehegten Vorsatz wahr, einmal eine jüdische Gemeinde kennenzulernen, und war vier Jahre lang ein regelmäßiger Gast in der Synagoge. So lernte ich auch ein paar Leute kennen, welche die Vernichtungslager überlebt haben, aber ihre Verwandten und ihre bisherige Welt verloren hatten. Der Jüngste von ihnen hatte beim Aufstand im Warschauer Ghetto mitgekämpft und war 17 Jahre alt, als er in den Transport vom Ghetto nach Treblinka steigen musste. An den Gedenktagen denke ich an meine Bekannten aus jener Gemeinde und finde es gut, dass man die Toten nicht vergisst. An den Pranger gestellt fühlte ich mich nie.

Klaus Wulff

Bad Aibling

In diesem Leserbrief, denke ich, steckt ein Missverständnis. Es wird der Holocaust verglichen mit der Vernichtung der amerikanischen Ureinwohner und dem Sklavenhandel. Als meine Generation zur Schule ging, wurde damals die Aufarbeitung der Nazi-Zeit bewusst verschwiegen. Keiner wollte etwas von den Gräueltaten gewusst haben. Dann sagte man, dass es nicht stimmt, dass sechs Millionen Juden vergast wurden. Es seien „nur“ vier Millionen gewesen. Angefangen 1933 mit Verfolgung und Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte bis hin zu der Verordnung über das Tragen eines Judensterns, dann die systematische Deportation ab dem Jahr 1941 in die Konzentrationslager. Monate vor der Wannseekonferenz, bei der der systematische Mord an Juden akribisch und kaltblütig durchgeplant wurde. Nie in der Geschichte hat es das gegeben, dass die Ausrottung eines Volkes (eigentlich zweier Völker, auch Sinti und Roma) so generalstabsmäßig geplant und dann mit derartiger Präzision ausgeführt wurde. Völkermorde gab es immer. In allen Zeiten gab es Judenpogrome. Dass es den Kindern der Nachkriegszeit nicht gut ging, ist die Folge des völkerrechtswidrigen Angriffs von Hitler-Deutschland auf Polen am 1. September 1939. Das alles ist noch nicht lange her. Es gibt noch Überlebende.

Bloß wegsehen hilft nichts, auch nicht in Zukunft. Das, was sich diese Tätergeneration erlaubt hat, ist ungeheuerlich, die Geschichte wird das nie vergessen. Leider klebt diese Entsetzlichkeit am deutschen Namen, und wir werden sie nicht mehr los. Dass wir dieser Tatsachen jährlich gedenken, ist nur gerecht.

Gudrun Baumann-Sturm

Raubling

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