Mutter in schwerer Zeit

Zu „Echte Heldinnen der 50er- Jahre“ (Leserbrief von Irene Ullrich):

Meine Mutter hat mich und meinen Bruder mit vielen Entbehrungen, aber mit viel Liebe allein großgezogen. Mein Bruder war zwei Jahre und ich ein Jahr alt, als unser Vater in Polen als vermisst galt. Wir wohnten damals zur Untermiete zu dritt in einem Zimmer. Die Vermieterin machte unserer Mutter das Leben schwer. So drehte sie Strom und Wasser ab, da unsere Mutter in ihren Augen zuviel verbrauchte. Unsere Mutter hat sich bei der Stadt Rosenheim um eine Wohnung beworben. Ihr wurde mitgeteilt, wenn sie kein Flüchtling sei, bekäme sie auch keine Wohnung.

Nach dem Krieg wurde ihr gesagt, dass ihr Mann aktiver Soldat war und sie deshalb keine Wohnung bekommt. Anmerken möchte ich, dass unser Vater, als er auf Heimaturlaub war, von einem Nazibonzen, der im Haus lebte, gefragt wurde, wie es ihm ginge. Vater sagte sinngemäß, „er habe die Schnauze voll“. Am nächsten Tag wurde er an die Front geschickt und gilt seit Juli 1944 als vermisst. Jahre später wurde er für tot erklärt. Leider ist Mutter im letzten Jahr verstorben.

Elke Hammerschmid

Kolbermoor

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