Missbrauch nicht nur in der Kirche

Zum Bericht „Missbrauch – Wie Betroffene lebenslang leiden“ auf der Blickpunkt-Seite:

Es spricht Bände, dass unsere Regierung unwillig und unfähig ist, die Missbrauchsverbrechen in den Kirchen per Gesetz und Judikative in den Griff zu bekommen. Darüber hinaus schützt der Staat die Kirche vor weltlicher Strafverfolgung, indem er der katholischen Kirche im Konkordat ein autonomes Rechtssystem zugebilligt hat, das es von der Bundesrepublik unabhängig macht, indem stets auf Rom verwiesen wird. Selbst Kardinal Marx sieht sich hier nur als Handlanger des Papstes. Gewöhnlich beendet man dieses Affentheater, indem der Staat den Übeltätern den Geldhahn zudreht– aber dafür sind beide Seiten zu sehr dicke Freunde.

Gerda Wojtech

Waldkraiburg

Sie haben den Jahrestag der Aufdeckung des Missbrauchsskandals am Canisius-Kolleg der Jesuiten in Berlin zum Anlass genommen, großflächig über sexuellen Missbrauch vor allem in der katholischen Kirche zu berichten. Warum nur über die Kirche? In das Jahr 2010 fiel doch auch das Bekanntwerden des Missbrauchsgeschehens an der „Odenwaldschule“, ein Missbrauch, der viel länger vertuscht wurde als der im Canisius-Kolleg oder der in Ettal. Inzwischen wäre auch deutlich zu machen, dass sexueller Missbrauch an Kindern und Jugendlichen ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Sie zitieren die Bundesfamilienministerin, die neben Kirchengemeinden auch Schulen, Kitas und Sportvereine als Gefährdungsorte nennt. Die Missbrauchsverbrechen in Lüdge und Bergisch Gladbach zeigen nochmals ganz andere Dimensionen. Dazu der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig: „Die heutigen Fälle, zum Beispiel Staufen, Lüdge oder Bergisch Gladbach, die geschahen zumeist im familiären Kontext. Und in diesen Fällen spielt die Vernetzung von Tätern und Täterinnen über das Internet und das Darknet eine ganz entscheidende Rolle. Denn es ist so, dass heutzutage immer häufiger sexueller Missbrauch auch zugleich zur Herstellung von sogenannter Kinderpornografie genutzt wird.“ Röhrig spricht von den „vielen, vielen Tausend Mädchen und Jungen, die sexuelle Gewalt in ihren eigenen Familien oder im sozialen Netzwerk erleiden“. „Mich treibt um, mit welch unerträglichem Schweigen Politik, Zivilgesellschaft und Bevölkerung auf die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche reagiert.“ „Sexuelle Gewalt ist ein Abgrund unserer Gesellschaft.“ Röhrig gibt zu, dass die Kirche offener reagiert hat, aus Erschrecken über die Beschädigung ihres Selbstbildes.

Augustin Schmied

Gars

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