Ministerpräsident Söder wischt Bedenken weg

Zum Interview „Können Sie Kanzler, Herr Söder?“ im Regionalteil:

Was die überbordende Bürokratie in der Landwirtschaft angeht, kann ich nur sagen: „Herrn Söders Wort in Gottes Ohr“. Allerdings glaube ich vielmehr, die selbe Bürokratie ist Teil eines perfiden Systems, um kleinere Höfe zur Aufgabe zu bewegen. Woher sollten sonst die Wiesen-, Acker- und Waldflächen kommen, die kurzerhand zugunsten unseres ungebremsten Mobilitäts- und Flächenfraßwahns zubetoniert werden. Die Düngeverordnung ist meiner Einschätzung nach nicht das Verderbnis unserer Landwirtschaft. Was unsere Landwirte allerdings nicht nachhaltig überleben werden, ist ein „Weiter so“ mit der größenwahnsinnigen und industriegeilen „Landwirtschaftspolitik“. Unsere Gesellschaft (inklusive der Bauern) sollte sich Gedanken darüber machen, wer in den letzten 40, 50 Jahren die Rahmenbedingungen für unsere Land- und Forstwirtschaft maßgebend gestaltet hat. Warum waren unsere Väter noch selbstbewusste, von der Gesellschaft geachtete, wenn auch mehr oder weniger kleine, aber freie Bauern? Die politisch gewollten Rahmenbedingungen haben zu einer extremen Industrialisierung der vor- und nachgelagerten Gewerbe gesorgt. Kleine, ortsnahe Strukturen (Bäcker, Metzger, Müller, Sägewerk, „Kramerladen“, Brauerei) wurden systematisch zugunsten großer Konzerne erfolgreich kaputt reguliert; nicht zuletzt mit freundlicher Unterstützung aus Brüssel. Den Machenschaften dieser geldgierigen, global agierenden Marktpartner ist unsere ortsgebundene Landwirtschaft schutzlos ausgeliefert. Das führte dazu, dass eine große Schar selbstbewusster Bauern zu einem erbärmlichen Häufchen gehetzter, von Almosen abhängiger Antragswirte verkommen ist.

Josef Schußmüller

Au am Inn

Leider hat Ministerpräsident Markus Söder meine Frage zum Auf- und Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G nicht beantwortet. Ich hatte nach umfassender und fundierter Information der Bürger sowie einer öffentlichen Diskussion des Themas gefragt. Angesichts der Möglichkeit derartig schwerwiegender Konsequenzen, haben die Bürger ein Recht darauf! Herr Söder hat dieses Anliegen mit Allgemeinplätzen und falschen Angaben einfach vom Tisch gewischt. Dass es zu 5G noch keine belastbaren Ergebnisse gibt, liegt auf der Hand, da es mindestens 20 Jahre brauchen wird, bis es zuverlässige Forschungsergebnisse zu der neuen Mobilfunkgeneration gibt. Es gibt aber sehr wohl wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu den Auswirkungen der bestehenden Generationen 3G und 4G, die klar die gesundheitliche, umweltschutzrelevante, militärische, den Datenschutz betreffende sowie demokratiegefährdende Bedenklichkeit des bestehenden Mobilfunks belegen. Vor allem da es Alternativen wie Glasfaserausbau, die Möglichkeit, höchste Datenmengen per Licht zu übertragen (VLC = Visible Light Communica tion), die Zusammenlegung von Betreibernetzen gibt, macht Herrn Söders Antwort umso unverantwortlicher.

Anita Geiger

Schechen

Herr Söder sagt, man müsse Bedenken bezüglich Mobilfunk, 5G und W-LAN an Schulen ernstnehmen – und wischte diese Bedenken im selben Atemzug weg. Es ist immer das Gleiche: zahlreiche Studien, die Gesundheitsschäden durch Mobilfunk auch weit unterhalb der Grenzwerte nachweisen, werden ignoriert. Daher schlage ich vor, dass Politiker und Betreiber zuerst an sich selbst und an ihren Kindern dasjenige Erproben, was sie mit uns vorhaben. Sie sollten nah an ihr Haus 5G-Antennen aufstellen, deren Mikrowellen die Wände durchdringen, dazu einen hässlichen großen Mast in Sichtweite, W-LAN in allen Zimmern und smarte funkende Hausgeräte. Smartphone und 5G-Satelliten nicht zu vergessen. Wenn diese Verantwortlichen im Selbstversuch nach zwei Jahren noch gesund sind, und nicht als komplett gläserne Bürger dastehen, reden wir weiter. Der Wissenschaftliche Dienst des EU-Parlaments kam vor Kurzem zum Schluss, dass „Studien darauf hindeuten, dass 5G die Gesundheit von Menschen, Pflanzen, Tieren, Insekten und Mikroben beeinträchtigen könnte“. Warum hat 5G in kurzer Zeit weltweit unzählige Bürgerinitiativen und Petitionen sowie Appelle von Ärzten und Wissenschaftlern hervorgebracht? Diese Menschen sind keine Technikfeinde und verweisen auf Alternativen wie Glasfaserkabel und Visible Light Communica tion. Betreibernetze könnten zusammengelegt und so die Belastung verringert werden. Wohnungen müssen ein geschützter Raum bleiben, in den nicht jeder hineinstrahlen kann.

Brigitte Lichtenau

Rosenheim

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