Mindestmaß an Fairness vermisst

Zu "Ein Zeichen gesetzt" im Lokalteil:

Es wurde von einer friedlichen Gegenkundgebung in sechsfacher Überzahl von SPD-Mitgliedern, Gewerkschaftlern, türkischen Freunden, alten Kämpen der Friedensbewegung, autonomen Jugendlichen und Lehrern mit ihren Schülern berichtet, die mit Unterstützung der Kirche und aller Spitzenpolitiker der Region dabei sind, wenn es um Toleranz, Menschenwürde, Pluralität geht.

Der genehmigte Demonstrationszug wurde durch Sitzblockaden eines "bunten Völkchens" verhindert. "Herangekarrte" Demonstranten versuchten deshalb, die Kundgebung nicht am geplanten Ort, sondern am Bahnhof durchzuführen, wurden aber durch Pfiffe und Geschrei von zahlreichen Gegendemonstranten daran gehindert. Ein Grünen-Sprecher konstatierte: "Wir haben die Neonazis vertrieben." Ihre Zeitung berichtete von einer "Demonstration der Stärke". Die Macht des Stärkeren hat obsiegt. Beachtenswert ist, dass die Polizei gegen Eier- und Flaschenwerfer vorgegangen ist, obwohl diese auf der Seite der 600 Gegendemonstranten waren.

Während es an Fakten und Argumenten mangelte, war von zugeschriebenen Gesinnungen und Charaktereigenschaften überreichlich zu lesen. Gegendemonstranten sprachen von "Gesocks, Fremdenfeinden, Intoleranten, Rechtsextremisten, Neonazis, Pack, Gesindel, Rattenfänger, die aus ihren Löchern kriechen, Besuchern zweiter Klasse, braunem Unsinn, brauner Hetze". DGB-Vertreter Schneider: "Da hat sich der Deckel einer Jauchegrube geöffnet, aus dem nun der Gestank aus Intoleranz und Hass aufsteigt."

Ich bin durch die Berichte weder informiert worden, wer die Demonstration beantragt hatte, noch welche Ziele die Demonstranten hatten. Sowohl Seneca als auch das Grundgesetz wurden erwähnt. Würde man sie ernst nehmen, müsste man eine andere Streitkultur pflegen, um mit einem Mindestmaß an Fairness auch politischen Gegnern gerecht zu werden.

Herbert Schwarz

Waldkraiburg

Kommentare