Menschliche Hybris

Ein Angehöriger der Bundeswehr nimmt einen Abstrich bei einer Frau aus Warendorf. Wegen des Corona-Ausbruchs im Schlachtbetrieb des Fleischproduzenten Tönnies wurde in dem Landkreis in Nordrhein-Westfalen erneut ein Lockdown verhängt.
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Ein Angehöriger der Bundeswehr nimmt einen Abstrich bei einer Frau aus Warendorf. Wegen des Corona-Ausbruchs im Schlachtbetrieb des Fleischproduzenten Tönnies wurde in dem Landkreis in Nordrhein-Westfalen erneut ein Lockdown verhängt.

Zur Berichterstattung über die Corona-Pandemie (Politikteil):

Ich möchte mich bedanken: Ich danke Dr. Wodarg, Facharzt für Lungenmedizin, Professor Bhagkdi, Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Dr. Köhnlein, Internist, Dr. Schiffmann, Prof. Dr. Klaus Püschel, Professor Dr. Hendrik Streeck und vielen anderen Ärzten und Wissenschaftlern. Ich danke ihnen dafür, dass sie mir die Angst genommen haben, ohne die Krankheit zu verharmlosen. Angst ist sehr schlecht für das Immunsystem. Und das brauchen wir immer, nicht nur in Zeiten von Covid-19. Warum hören wir vom Gesundheitsminister nie, wie wir unser Immunsystem stärken können, durch gesundes Essen, wenig Zucker, viel trinken, viel Bewegung an der frischen Luft? Das würde ich mir erwarten. Und noch was zu Herrn Spahn: Warum sparen Sie und Ihre Partei unser Gesundheitssystem kaputt und richten sich nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, nach der die Hälfte der Krankenhäuser abgeschafft werden sollen? Jeder Normalbürger hat schon vor Corona um die unentbehrlichen Leistungen von Pflegekräften gewusst. Es fällt mir so schwer, zu glauben, dass es der Politik hier um Gesundheit, Menschlichkeit, Solidarität und Einzelschicksale geht. Menschlich wäre es, etwas gegen den Hungertod von täglich 20 000 Kindern weltweit zu tun, menschlich wäre es gewesen, das Herbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat zu verbieten. Gut für die Gesundheit wäre es, etwas gegen die multiresistenten Keime zu unternehmen, an denen jedes Jahr 20 000 bis 40 000 Menschen sterben. Auch ein Tempolimit könnte viele Menschenleben retten. Und wie menschlich ist das Embargo gegen Syrien? Mit wem sind wir denn solidarisch beim diskutierten Kauf von US-Kampfjets, die mit Atombomben bestückt werden können? Ich wünsche mir nur einmal eine ehrliche Antwort unserer politischen Elite.

Gertraud Angerpointner

Anger

Die Folgen der Pandemie werden uns noch lange begleiten. Es handelt sich bei der globalen Seuche um ein totales Ereignis, das in jeden Lebensbereich hinein wirkt. Das macht diese Plage auch zu einem Phänomen, welches unsere Wahrnehmung überfordert. Niemand soll glauben, man kann diese Krise und ihre unabsehbaren Folgen beherrschen. Es ist angemessen, nicht mit einer Generalerklärung aufwarten zu wollen und die Komplexität um der Erklärbarkeit willen zu reduzieren. Wir sind alle an der Grenze der Verstehbarkeit angelangt und sollten nicht der Versuchung unterliegen, dieses zu übertünchen. Nur Gott versteht alle Dinge. Wir sind weit davon entfernt, wie ein weiser Zeitgenosse äußerte: Unser Nichtwissen ist ein Ozean – unser Wissen ein Rinnsal. Der Chefredakteur der Schweizer Wochenzeitung „Weltwoche“, Roger Köppel, erinnerte daran, dass es Kräfte gibt, die größer sind als wir. Dieses zu akzeptieren falle einer Welt schwer, die nicht nur den lieben Gott verabschiedet hat, sondern auch den Tod überwinden möchte. Mit schwindelerregenden Summen versucht man jetzt die Folgen einer „kolossalen Rezession“, einer Weltwirtschaftskrise abzuwenden, die nach Meinung von Fachleuten wie dem Ökonomen Professor Thorsten Polleit unvermeidlich ist. Ich vermute, dass diese Krise in den Weltkrieg führen wird. Aber diese wirtschaftliche Hilfe steht auf tönernen Füßen, es ist eine „Geldmengenvermehrung aus dem Nichts“, gibt Polleit zu bedenken. Die Hoffnungen der Menschen ruhen damit auf ungedecktem Vermögen. Stehen am Ende vielleicht Verstaatlichungen, eine „Lenkungs- und Befehlsstaatswirtschaft, in der bürgerliche und unternehmerische Freiheiten zerstört werden?“ (Polleit). Je größer die Hybris, desto tiefer der anschließende Fall. Es scheint, eine Hybris zu sein, zu glauben, man könne die Corona-Pandemie mit all ihren Ursachen und Folgen tatsächlich verstehen.

Werner Fuchs

Bad Feilnbach

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