Masken, Grundrechte und Neustart

Abstand vorgeschrieben:Im Dolores Park in San Francisco sind Kreise aufgemalt, um die soziale Distanzierung einzuhalten. dpa
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Abstand vorgeschrieben:Im Dolores Park in San Francisco sind Kreise aufgemalt, um die soziale Distanzierung einzuhalten. dpa

Leserbriefe zum Thema Corona-Einschränkungen:. Wer weiß, wozu uns manche Einbrüche in unsere von uns gut und richtig gemeinten routinierten Verhaltensweisen zwingen, uns im Kopf und mit den aktiven Gliedern zu bewegen.

Ist es nicht toll, dass ich mich neu entscheiden muss, ob ich Vegetarier werde oder nicht? Die armen Schweine, die von den Knochenhauern zerteilt werden, machen uns deutlich, wie moderne Sklaven nicht nur aussehen, sondern leben müssen. Toll, die Eucharistiefeiern, die in ihrem eventuell zu gewohnheitsmäßigen Wert in den Hintergrund getreten waren, beginnen nun sogar schon zu Christi Himmelfahrt statt wie geplant erst nach Pfingsten. Bewegt sich da etwas? Ich bin kein großer Biertrinker, aber angesichts eines großen Biergartens lief mir schon von Ferne die Lust auf den ersten Schluck im Mund zusammen. Mundschutz klar; „tragen sie sich bitte erst in die Liste ein“ klar. Aber wie lange werden die unzähligen Adressen der Menschen gespeichert? Ist es nicht verrückt, wenn ich kurz am Max-Josefs-Platz einen Kaffee trinken möchte und ich mich mit meinen Daten in eine Liste eintragen muss? Ich fragte einen Pfarrer, wie lange die Listen der Gottesdienstbesucher aufbewahrt werden. Er sagte zwei Wochen. Ich fragte die hinter der Maske schwitzende Bedienung beim letzten Schluck: Antwort drei bis vier Wochen. Ich fragte mich: Wer schreddert oder vernichtet die Daten sicher? Also manches wird ein wenig zwanghaft, ordentlich, zu deutsch, zu eng gesehen! Oh, heilige Corona, lass uns alle die gute Mitte finden.

Christian Nicke

Rosenheim

Mit den Nachwehen der Corona-Krise wird die Menschheit noch länger zu kämpfen haben. All diesen „Betriebsstörungen“ von Organismus und Gesellschaft ist eines gemein: Sie wollen einen Umbruch, einen „Neustart“. Dafür sind die bereits angekündigten Änderungen für Schonung von Umwelt und Ressourcen recht löblich – wenn sie auch ausgeführt werden. Die wenigsten bedenken dabei das Wichtigste für einen „Neustart“, nämlich Umdenken, Neuorientierung, Bewusstwerden. Wir brauchen keine Verschwörungstheoretiker, die uns von einer Weltregierung erzählen. Haben wir die nicht schon längst durch Machtausübung der Hintermänner von Hochfinanz, Großindustrie und Lobbyisten aller Coleur? Wie ist es sonst verständlich, dass weder Politiker noch Klimaaktivisten gegen die umwelt- und gesundheitszerstörende Auswirkung von E-Mobilität, G5 und Digitalisierung Einspruch erheben? Woher kommt das Ansinnen, das Bargeld abzuschaffen, um vollkommene Kontrolle zu haben? Warum werden nur die Meinungen der regierungsfreundlichen Experten zitiert und zu Diskussionen zugelassen, aber die Forschungsergebnisse der anderen totgeschwiegen? Dagegen müsste ein Aufschrei erfolgen. Wäre es nicht längst an der Zeit, die Warnung des Philosophen Martin Heidegger vor der Seinsvergessenheit ernst zu nehmen? Über den Sinn des Daseins nachzudenken? Der Mensch hat ein momentanes Dasein im Irdischen und ein ewiges im Geistigen. Zu diesen Überlegungen könnte auch ein „böser“ Virus motivieren im Sinne von Goethes Mephisto im „Faust“: „Ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Maria Meindl

Haag

Das Haus ist zu groß, ebenso der Garten und das Auto, der Kleiderschrank ist auch zu voll und der Berg von Andenken und Wohlstandsmüll bereits viel zu hoch. Fangen wir jetzt langsam an, darüber nachzudenken, ob wir uns vielleicht am Wirtschaftswunder überfressen haben? Rumort es vielleicht deshalb in unserem Bauch und ist es vielleicht deshalb nicht mehr so richtig stimmig in „unserer Verdauung“ – weil sie mit unserem Bauchgefühl nicht mehr im Einklang steht? Vielleicht gibt uns Corona jetzt den nötigen Anstoß, darüber nachzudenken. Nachdenken finde ich auf jeden Fall besser, als sich mit einem Adrenalin-Kick bei Demonstrationen zu betäuben. Ist Betäuben ein (Flucht)-Mittel, um sich anstehenden Veränderungen nicht stellen zu müssen? Oder gehen die Leute nur aus Angst vor der (notwendigen) Veränderung auf die Straße? „Selten ein Schaden, wo nicht auch ein Nutzen dabei ist“, sagt ein altes Sprichwort. Vielleicht gilt das auch für Corona….

Hans Fritz

Bad Endorf

Eine unscheinbare Notiz auf der Titelseite: „Ifo: Sterberate kaum erhöht“, so fasst das Ifo-Institut die vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Sterbedaten der Jahre 2016 bis 2020 zusammen. Eine Betrachtung jeweils der ersten dreieinhalb Monate dieser Jahre fördert Erstaunliches zutage: Durchschnittlich starben in dieser Periode jeweils 308 456 Deutsche, im Jahre 2020 jedoch „nur“ 304 354. Für Bayern sieht es ähnlich aus: Durchschnittlich sterben hier knapp 37 000 Bayern, heuer waren es 350 Fälle weniger. Auch bei den über 65-Jährigen starben rund 5,5 Prozent weniger als im Durchschnitt! Von einer diesjährigen Übersterblichkeit kann also keine Rede sein! Die vorliegenden Daten zeigen allerdings eine besorgniserregende Sterberate im Jahr 2018: Da starben knapp 22 000 Menschen oder rund sieben Prozent mehr als im Durchschnitt. 2018 hätte man also Grund gehabt zu Abstandszwang und besonderer Hygiene. Trotzdem haben sie den berüchtigten „Shutdown“ nicht 2018, sondern heuer verkündet, haben Kontaktverbote und Maskenzwang verordnet und Bürgerrechte ausgehebelt. Ganz nebenbei wurde die gesamte Wirtschaft abgewürgt. Den Skeptikern sei gesagt: Angesichts der späten Inkraftsetzung der Maßnahmen und der langen Inkubationszeit von Covid-19 haben diese Maßnahmen das Sterbegeschehen im Beobachtungszeitraum kaum beeinflusst! Nicht Covid-19, die Maßnahmen der Regierung haben unzählige Existenzen ruiniert. Viele werden noch folgen. Ob wir wollen oder nicht, das wird die Todesrate erhöhen. Viele alte Menschen in unseren Heimen sind bereits an Einsamkeit und Verzweiflung gestorben, weitere werden folgen. Viele Kranke werden wegen abgesagter Operationen vorzeitig sterben. Wir müssen also für den Rest des Jahres mit einer erhöhten Sterblichkeit rechnen. Nicht wegen Corona, sondern wegen völlig überzogener „Gegenmaßnahmen“.

Dr. Andreas Strasser

Bruckmühl

Da die Kanzlerin dank der charismatischen und fachkundigen Führung von Markus Söder bei der Corona-Krise nur wenige Fehler macht, steht Deutschland diesbezüglich relativ positiv da. Nichtsdestotrotz haben die meisten asiatischen Nationen durch den sofortigen Einsatz von Tracing-Apps plus Maskenpflicht die Pandemie relativ gut unter Kontrolle bekommen. Und was ist bei uns los? Ob des Zauderns und der ewigen Datenschutz-Diskussionen der Regierung werden wir wahrscheinlich noch Wochen darauf warten müssen. Die Bürger machen sich zwar auf Facebook und anderen (a)sozialen Netzwerken selbst gläsern, aber so eine wichtige App, welche jedermann freiwillig runterladen kann, wird durch Datenschutz-Ängste blockiert. Zudem ist Deutschland in puncto Digitalisierung absolute Wüste. Frau Merkel, Digitalisierung bedeutet nicht, dass die Kanzlerin während kritischer Redebeiträge der Opposition demonstrativ mit ihrem Handy spielt, sondern dass man endlich den Anschluss sucht und einen diesbezüglich kompetenten Minister beruft, der angefangen von den Schulen bis ins hinterste Kaff für Breitband Anschluss sorgt. Die Lizenzen gewinn-maximiert zu versteigern, macht nur Sinn, wenn die Anbieter dabei auch vertraglich zu einem lückenlosen Netzausbau verpflichtet werden. Es bleibt nur die Hoffnung, dass sich dies unter einem Kanzler Markus Söder rasch zum Guten wendet.

Jakob Gerhard

Rohrdorf

Eigentlich wollte ich mir zum Thema Corona Zurückhaltung auferlegen. Aber was da teilweise an Leserbriefen abgesondert wurde und was die „Freiheitskämpfer“ gegen die „Bedenkenträger“ öffentlich austragen, geht auf keine Kuhhaut. Vielleicht besitzen die besonders aggressiven „Freiheitskämpfer“ bereits Antikörper und gehen mit dieser Teflonbeschichtung kein Risiko ein. So hat eine Leserbriefschreiberin bereits seit einer Grippe im Januar 2020 Antikörper gegen Sars-CoV-2 entwickelt, obwohl das Virus erst am 27. Januar 2020 in Deutschland eingetroffen ist! Wenn man nun aber hört, dass bei einem Probeessen mit 100 Personen im Landkreis Leer/Ostfriesland (trotz Vorsichtsmaßnahmen, die scheinbar nicht eingehalten wurden) elf Leute infiziert wurden, dann sollte das doch auch dem Letzten zu denken geben. Auch in einer Kirche gab es viele Ansteckungen. Ich frage mich schon, wo die vielen Virusträger herkommen. Geht da wirklich einer rum, der alle Leute umarmt und küsst? Um das Virus auszuhungern, müsste man ja ausnahmslos jeden 15 Tage in Einzelhaft nehmen. Also Leute, seid vorsichtig und bedenkt, auch der große Brexit-Boris hat Sars-CoV-2 nicht ernst genommen und ist prompt in der Intensivstation gelandet.

Franz Merkle

Rechtmehring

In Deutschland könnten sich nach Ergebnissen der sogenannten Heinsberg-Studie der Universität Bonn möglicherweise 1,8 Millionen Menschen mit dem Corona-Virus infiziert haben. Über 40 Covid-19-Mutationen gibt es in der Zwischenzeit. Die Pandemie ist längst nicht unter Kontrolle. Leider werden die Stimmen derjenigen mehr, die behaupten, alle Vorsorge-Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche seien übertrieben.

Heinz Höfner

Großkarolinenfeld

Seien wir doch ehrlich: Zu beschränkt denken ist lebensgefährlich; hier: den Erkenntnissen unabhängiger Virologen nicht zu folgen und eigene Meinung mit Tatsachen zu vermischen und Protest von allen einzufordern. Die Proteste gegen Beschränkungen berufen sich auf subjektive Freiheitsrechte des Grundgesetzes. Nur: Rangordnungen der Grundrechte, kollidierende Verfassungsrechte, Abwägung, hier vorrangig Schutz von Gesundheit und Leben – wurde alles beachtet? Einfach gesagt: Das Recht des Einzelnen ist meist die Einschränkung und Gefährdung des anderen. Wer den Einschränkungen nicht folgt, nimmt anderen den nötigen Schutz. So kann Gesellschaft nicht funktionieren. Wie wird es erst, wenn die riesigen wirtschaftlichen Verschuldungsfolgen zu bewältigen sind? Werden nicht trainierte „Vollkaskokonsumenten“ es tragen? Die Ungleichheit wird wachsen, Entwicklungsländer werden ohne Weltgesundheitsinfrastruktur untergehen. Mögen die Protestierer sich über globale und damit auch lokale wirkliche Probleme und Lösungswege informieren für ihre Zukunft. Die Krise gibt Anlass zum Paradigmawechsel.

Hans-Jürgen Ehlers

Rosenheim

Es ist interessant, dass erst von allen führenden Politikern und Experten einhellig darauf verwiesen wurde, dass das Tragen von Gesichtsmasken kaum positive Effekte auf die Pandemie haben kann. Wie perfide die Politik vorging, zeigt sich daran, dass die Maskenpflicht erst angeordnet wurde, als die höchste Ansteckungsrate zwar längst überschritten, aber es den Verantwortlichen leider erst dann gelungen war, eine große Anzahl an Gesichtsmasken heranzuschaffen. Es scheint so zu sein, als würde im Polittheater alles erlaubt sein, nur nicht, sich Fehler einzugestehen. Solange es keine Impfung gibt, wird die Maskenpflicht nicht fallen. Viele Virologen sagen aber, dass eine Impfung nicht schützen kann, da sich das Coronavirus ständig verändert. Wie Schweden und Japan es vormachen, führt die Corona-Durchseuchung auch ohne Lockdown zu keiner wesentlich anderen Todesfallzahl im Vergleich zu anderen Ländern. Es ist jetzt an der Zeit, den Tatsachen in die Augen zu sehen. Corona ist vergleichsweise harmlos, die Zahl der Todesfälle innerhalb der ersten 14 Wochen ist in Deutschland nicht einmal bei den über 65-Jährigen erhöht im Vergleich zu den letzten fünf Jahren. Ich möchte damit auf keinen Fall die Gefährlichkeit der Corona-Erkrankung herabspielen, aber es darf nicht sein, dass wirklich an Corona-Erkrankte beziehungsweise -Tote mit solchen, die nur wegen eines positiven Testergebnisses als „Infizierte“ gelten, beziehungsweise an eventuell anderen Vorerkrankungen Gestorbenen in einen Topf geworfen werden. Wovor sollen wir also so große Angst haben, dass wir es weiterhin akzeptieren, dass der Katastrophenfall aufrechterhalten und somit Grundrechte außer Kraft gesetzt bleiben? Ist die Pflicht des Tragens eines Mundschutzes nicht eher ein Schutz der Politik vor mündigen Bürgern?

Lisa Heiß

Haag

Weltweit sind bereits rund 250 000 Menschen „mit“ Corona gestorben. Diese Zahl ist gesehen auf die Weltbevölkerung Makulatur. Es erinnert niemand daran, dass es im Jahre 69/70 während der Pandemie der „Hongkong-Grippe“ allein in Deutschland 100 000 und weltweit circa 1,5 Millionen Tote gab. Die Übersterblichkeit in Deutschland lag damals bei 40 000. Erinnert man sich daran? Nein! Warum? Weil es damals keine Möglichkeit gab, dies 24 Stunden am Tag medial breitzutreten und jeder, der irgendetwas hätte sagen wollen, Sinnvolles oder Absonderliches, es hätte tun können. Dieses Absonderliche äußert sich indessen beispielsweise beim sogenannten Gesundheitsexperten der SPD, Karl Lauterbach. Lauterbach betont, dass er den Weg der Schweden in dieser Situation für absolut verantwortungslos halte. Man müsse weiter so leben wie bisher, solange man keinen Impfstoff habe. Also, keine Schule, keine Gastronomie, kein Reisen, keine Kultur, keine Feste, kein Sport ohne eklatante und teils unwürdige Einschränkungen! Was passiert denn, wenn es keinen wirksamen Impfstoff geben sollte? Daraus erschließt sich nämlich dann die Frage: Wer ist hier mehr verantwortungslos? Die Menschen, die sich frei dafür entscheiden, ihr Leben so zu leben wie bisher und dabei nicht mehr Angst vor dem Leben haben als vor dem Tod oder solche wie Lauterbach, die eigentlich in ihren eigenen Keller gehen sollten, um sich am besten so lange vor Angst selbst einzuschließen bis man sie vergessen hat? Vielleicht bekommt er wenigstens Besuch von Herrn Kekule oder Herrn Drosten.

Jörg Beller

Bernau

Mein Rat: Die „unfolgsamen“ Protestler statt mit Geldstrafen zu belegen, zum Einsatz auf einer Intensivstation einer Corona-Klinik zu verpflichten! Nur die Realität kann solche Leute überzeugen! Sie haben den ganzseitigen Bericht eines gesunden, leistungsfähigen Handwerkers mittleren Alters aus Aying veröffentlicht, der Corona-Erkrankung überlebte: 30 Tage Beatmung, zeitweise Übernahme der Therapie über eine Herz-Lungen-Maschine, Wiedererlernen des Atmens, des Schluckens, des Gehens, des Schmeckens, eventuell bleibende Organ- und Lungenschädigung und anderes mehr. Man sollte den Betroffenen fragen und die Antwort veröffentlichen, was ihm lieber wäre: die viel gerühmte Freiheit, das für normale Zeiten vorgegebene Grundgesetz oder das eigene Leben!

Dr. Bernd Reinhardt

Bad Aibling

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