Markt ist in der Schieflage

Zum Artikel „Schlag gegen die Pflege-Mafia“ (Bayernteil):

Der Betrug in der Pflege summiert sich jährlich auf einen zweistelligen Milliarden-Eurobetrag. Die Tendenz ist steigend, parallel zum steigenden Pflegebedarf. Prüfungen und Razzien zur Eindämmung dieser Machenschaften sind daher dringend geboten. Mit jedem Ermittlungserfolg scheiden Anbieter aus, die sich in betrügerischer Weise an den Pfründen bedient haben. Diese Bereinigung tut not, hat aber auch ihre Kehrseite. Denn so vergrößert sich die ohnehin vorhandene Lücke zwischen Angebot und Nachfrage.

Wenn betrügerischen Pflegediensten untersagt wird, weiter tätig zu sein, ist nicht auszuschließen, dass Pflegebedürftige darunter leiden, weil mangels Ersatz nun plötzlich kein Pfleger mehr kommt. Es dürfte vorgekommen sein, dass der Patient oder seine Angehörigen den Abrechnungsbetrug mehr oder weniger ahnten, aber vor einer Anzeige zurückschreckten, um die eigene Pflege nicht zu gefährden. Dieser Markt ist dermaßen in Schieflage, dass auch Betrüger gewissermaßen geduldet werden. So kommt sogar manch ein Betrüger mit neuer Firma nach kurzer „Schamfrist“ wieder ins Geschäft.

Norbert Vogel

Schechen

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