Marketing in der Notaufnahme

Zum Artikel "Notstand in der Notaufnahme" auf der München-Seite:

Immer mehr Kranke und Verletzte besuchen die Notaufnahme von Krankenhäusern, weshalb diese über die hohen, durch die Einnahmen nicht gedeckten Kosten klagen. Pro Patient müssten 60 Euro draufgelegt werden. In dem Beitrag wird richtig festgestellt, dass viele Kliniken per Gesetz verpflichtet sind, Notaufnahmen anzubieten. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn die meisten Kliniken streben massiv in die ambulante Versorgung zu Lasten der niedergelassenen Haus- und Fachärzte. Die Gründe sind bekannt: Die ambulante Behandlung ist das "Einfallstor für stationäre Patienten", die Notaufnahme in besonderem Maße. Bei den städtischen Kliniken in München kam jeder zweite stationäre Patient über die Notaufnahme.

Inzwischen werden 47 Prozent der Patienten in Kliniken behandelt und danach sofort wieder nach Hause geschickt, obwohl die Kliniken eigentlich nicht zuständig sind. Nun will man sich nicht mehr mit Einnahmen in der Höhe begnügen, wie sie niedergelassenen Ärzten zugestanden werden (15,60 Euro, ob am Tag oder in der Nacht).

Dass die Zunahme der ambulanten Behandlungen nicht Schicksal, sondern Ziel der Krankenhäuser ist, macht ein Beispiel deutlich. Jahrelang bestand in einem Krankenhaus eine von niedergelassenen Ärzten geführte Ambulanz als Bereitschaftsdienstpraxis. Seit die Klinik eine Notaufnahme mit eigener Leitung eingerichtet hat, gehen die Patientenzahlen dieser Bereitschaftsdienstpraxis deutlich zurück. Deshalb ist die Kritik des Klinik-Kollegen Helmut Müller, "die Niedergelassenen ziehen sich zurück - und die Notaufnahmen laufen voll", fadenscheinig.

Es gäbe einige Strategien, die ambulante Behandlung wieder stärker an den Bereich der kostengünstigeren niedergelassenen Ärzte heranzuführen, statt die teureren Notfallambulanzen mit zusätzlichen Mitteln zu finanzieren, die die Finanzierung der ambulanten Versorgung durch niedergelassene Ärzte weiter einschränken.

Dr. med. Dolf Hufnagl

Rosenheim

Kommentare