Luthers Ratschlag

Zum Beitrag „Etwas Glück trotz Krise“ (München-Seite)

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Es mag verdienstvoll sein, wenn die Redaktion Mitbürger zum „Welttag des Glücks“ befragt, was für sie Glück in der gegenwärtigen Corona-Krise bedeutet. Bei den Antworten fällt auf, dass alle das Glück in den kleinen persönlichen Begegnungen oder in der Innerlichkeit der Glücksstimmung suchen. Das Glück des Denkens und Dankens wird kaum benannt. Die denkerische Bewältigung der Pandemie steht noch aus. Immerhin gibt das gegenwärtige Unglück am Tag des Glücks Anlass zum Danken für das Glück, das wir in den letzten Jahrzehnten empfangen haben. Als 1529 Europa vor der furchtbaren Katastrophe der türkischen Invasion stand, hat Martin Luther auf die Besinnungslosigkeit des Lebens davor aufmerksam gemacht. Er schrieb, dass es bis dahin eine Zeit des „Prassens und Prangens“ gegeben habe; nun aber sei die Zeit des „Sorgens“ gekommen. Bisher habe es die „Zeit der Freuden und des Lachens“ gegeben, nun aber erlebe man die des „Trauerns, Schreckens, Fürchtens, Weinens.“ Luther schließt seine an Kohelet angelehnte Analyse mit der Mahnung: „Haben wir jene gute Zeit können gern haben und dennoch Gott dafür nicht danken können noch erkennen, so lasst uns nun diese böse Zeit auch dulden und daran lernen, für jene gute Zeit zu danken.“ Dieser fast 500 Jahre alte Ratschlag könnte am Tag des Glücks oder besser Unglücks weiterhelfen.

Dr. Ralph P. Crimmann

Prien

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