Leistungen und Verfehlungen der Kirche

Vatikanstadt mit dem Petersdom in Rom ist das Zentrum der katholischen Kirche: Der Bericht über die Rückkehr der Messen auf Latein löste bei den Lesern der OVB-Heimatzeitungen eine heftige Debatte aus.
+
Vatikanstadt mit dem Petersdom in Rom ist das Zentrum der katholischen Kirche: Der Bericht über die Rückkehr der Messen auf Latein löste bei den Lesern der OVB-Heimatzeitungen eine heftige Debatte aus.

Zu „Zweifelhafte Verdienste der katholischen Kirche“ (Leserbriefe) und zum Bericht „Hunderte feiern Messe auf Latein“ (überregionaler Teil/Leserbriefe):

Im Glauben steht man schnell in Gefahr, sich selbst, die eigene Praxis und ihre Glaubensinhalte absolut zu setzen. Im Leserbrief von Herrn Grandl scheint mir dies der Fall zu sein. Ob da nicht Angst und mangelndes Vertrauen in die Weite und das Wirken des Heiligen Geistes dahintersteckt?

Ich möchte etwas zu seinen Ausführungen über Wortgottesfeiern sagen. Die meisten Kritiker der Wortgottesfeiern haben – das wage ich mal zu sagen – nie einen solchen besucht; sie würden sich wohl Sünden fürchten. Vor 18 Jahren wurde ich – wie vor und nach mir viele Männer und Frauen – vom Bischof beauftragt, Wortgottesfeiern zu leiten. Seither ist mir diese Berufung eine Gnade, ein Geschenk und oft auch eine gehörige Last. Denn die Verantwortung, das Evangelium treu und würdig zu verkünden und auszulegen und die Feier zu leiten, fordert eine sorgfältige und oft mühsame Vorbereitung. Vor allem geht es nicht ohne eine gute Portion Demut, das heißt, von mir alleine aus schaffe ich es nicht, ich muss offen sein für Gottes Geist, für seine Hilfe.

Ich weiß nicht, wo Herr Grandl bei einer Wortgottesfeier „hochgepriesene“ Männer und Frauen die Altarräume hat stürmen sehen. Überdies bin ich überzeugt davon, dass wir Menschen Gott nicht eingrenzen können in der Art, dass wir glauben zu wissen, wo und in welcher Art und Weise er Menschen berühren möchte, in der „Hochform“ der heiligen Messe oder in der Form, in der das Wort Gottes in seiner ganzen Kraft und Tiefe im Mittelpunkt steht (oder wo auch immer). Ob Herr Grandl mit seinem immer wiederholenden „Schlechtmachen“ unserer katholischen Liturgie seinem und unserem Christsein einen guten Dienst erweist, bezweifle ich sehr. Ich empfinde es eher als spaltend.

Marianne Ganßer

Rosenheim

Die Herren Grundner und Langer propagieren in ihren Leserbriefen eine „andere Seite der Kirche“ im „Geiste Jesu Christi“. Die Frage ist nur, warum sich diese bis heute nicht durchgesetzt und das Böse im Inneren verdrängt hat. Grund dafür sind wohl die ureigenen Lehren der Kirche, die sich zum Beispiel bis heute nicht vom Alten Testament distanziert hat. Mit diesem Teil der Bibel lässt sich jedwede Schandtat rechtfertigen. Hier wird ein rachsüchtiger, kriegstreiberischer Gott beschrieben, der Völkermorde begeht. Sogar Moses (der angeblich die Zehn Gebote veröffentlicht hat) war laut der „Heiligen Schrift“ ein Mörder. Er hat einen „Diener“ (Sklaven) aus Wut totgeschlagen. Wie geht das denn? Ein Verstoß gegen das fünfte Gebot gilt in der katholischen Kirche als „Totsünde“ und kann nicht vergeben werden. Das eigene Führungspersonal ist anscheinend nicht an die selbst erstellten Gesetze gebunden. Wie praktisch.

Und wie sieht es mit der Plausibilität der Bibel aus? Waren Adam und Eva Höhlenmenschen? Warum kamen keine Dinosaurier in der Geschichte vor? Wie kamen (und überlebten) all die unterschiedlichen Tierarten auf Noahs Arche? Wo ist das ganze Wasser dieser angeblich weltweiten Flut hingekommen? Wie kommt es, dass Jesus Gott und sein eigener Sohn ist? Darüber sollten Gläubige einmal nachdenken.

Aber genau dieses Hinterfragen wird von der Kirche seit jeher infam verboten. Wurden doch Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben, weil sie vom „Baum der Erkenntnis“ genascht hatten und selig sind ja nur die geistig Armen. Ja, zu viel nachdenken macht Kopfschmerzen und schadet offensichtlich der Kirche. Und damit meine ich nicht nur die christlichen Institutionen. Dass Gläubige das alles widerspruchslos abnicken ist mir ein Rätsel.

Jürgen Nothaft

Ampfing

Wie kommt der Leserbriefschreiber Josef Grundner dazu mich als Atheisten zu betiteln? Es gibt fünf Weltreligionen. Um Andersdenkende zu diffamieren, haben Christen in ihrer 2000-jährigen Geschichte noch nie zurückgeschreckt. Auch mit der Wahrheit nimmt man es nicht so genau. Mit Lügengeschichten („Fühlen sich intellektuell überlegen“, „Brunnenvergifter“, „Hostienschänder“ und „Kinderschänder“) wurden Juden über 1000 Jahre lang verfolgt und grausam massakriert. Heiligen-Legenden aufzuzählen um die Schandtaten der Christen kleinzureden ist für mich ethisch nicht vertretbar.

Die sogenannten guten Taten folgten in der Regel den Untaten und Ausbeuten von anderen Christen, die ihre christlichen Mitbürger drangsalierten. Wenn man über Kalkutta reden will, sollte man nicht vergessen, dass da die anglikanischen Christen aus England vorher ihr Unwesen trieben. Woher weiß Herr Grundner, dass Atheisten sich nicht um die Nöte der Mitmenschen kümmern? Kennt er zum Beispiel auch die, die für Amnesty International, Greenpeace oder Ärzte ohne Grenzen arbeiten? Letztere sind besonders verwundert wegen des Verbots der Kirche gegen Empfängnisverhütung in Ländern, in denen es die Ressourcen nicht hergeben, diese Massen an Menschen zu ernähren und zu versorgen. Dass es nach 2000 Jahren Christenheit immer noch Hilfsbedürftige in unserem Land gibt, sollte zum Nachdenken anregen. Auch wird von dieser Religionsgemeinschaft immer noch Homosexualität und Divers als unnatürlich diffamiert. Und der Antisemitismus, von ihr angezettelt, ist nicht unterzukriegen.

Gudrun Baumann-Sturm

Raubling

Herr Grundner beruft sich auf drei Heilige, welche die andere, positive Seite der Kirche widerspiegeln sollen: Elisabeth von Thüringen, Franz von Assisi und Teresa von Avila. Diese Heiligen wurden allerdings kirchlicherseits einseitig verherrlicht und ihre persönlichen Schattenseiten bewusst ausgeblendet. Alle drei hatten zum Beispiel eine leibfeindliche und weltverachtende Einstellung, die im Mittelalter für das Christentum typisch war.

So ging Elisabeth von Thüringen nur auf Befehl ihres Vaters eine Ehe ein, also wider Willen und ohne sinnliche Lust zu empfinden. Franz von Assisi war Frauen gegenüber extrem feindlich eingestellt und empfand jeden Verkehr mit ihnen als Befleckung. Er hasste seinen Körper und ließ ihn wie viele Mönche verkommen. Teresa von Avila schrieb ihren Nonnen vor, sich in den Fastenzeiten vor Weihnachten und Ostern dreimal die Woche auspeitschen zu lassen. Das „ganze Leben“ war für sie nichts als „Unrat“ und „Ekel“.

Herrn Grundners Verteidigung der Kirche, die sich auf Heilige beruft, ist also zumindest fragwürdig. Das gilt auch für seine Berufung auf die Nächstenliebe, von der sich Gläubige leiten lassen, wenn sie sich um die Ärmsten der Armen in Slums kümmern. Aber selbst wenn sich Christen einerseits um die Bekämpfung von körperlichen Krankheiten verdient machen, verbreiten sie andererseits Glaubenslehren, welche ihre Empfänger geistig-seelisch überhaupt erst krank machen können. Dazu gehören die schon angesprochene glaubensbedingte Leib- und Weltanschauung, der Glaube an einen strafenden Gott, an einen gottgewollten Opfertod als Sündenbuße und das „Jüngste Gericht“ mit einer ewigen Verdammnis in der Hölle als mögliche Folge. Damit verbreitet die Kirche Angst und Schrecken, welche die Gläubigen seit Jahrhunderten schwer belasten und ihnen das Leben vergällen.

Ulrich Kretzschmar

Prien

Kommentare