Das läuft auf Bairisch einfach nicht

Zu „Vom Gehen und vom Laufen“ (Leserbrief von Sepp Warmedinger)

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Grundsätzlich stimme ich dem Leserbrief voll und ganz zu. Nur die Kritik an der Wendung „aufschlagen“ würde ich relativieren. Es hat sich hier und da eingebürgert, im persönlichen Gespräch „ankommen“ locker ausgedrückt durch „aufschlagen“ zu ersetzen. In so einem Kontext finde ich das auch durchaus legitim: Natürlich sollte es beispielsweise nicht in einem offiziellen Artikel in der Zeitung vorkommen. Und zu Ihrem Vorschlag der Deutschkurse für die Autoren: Wir können bei den OVB-Heimatzeitungen hinsichtlich der Verwendung englischer Ausdrücke noch ganz froh sein. Das wird hier zum Glück nicht übertrieben gehandhabt. Im Internet gibt es Foren, in denen ein Fehleinkauf nur noch „Shopping-Fail“ und ein Tipp zum Optimieren eines Vorgangs des täglichen Lebens nur noch „Life-Hack“ genannt wird. Da ist dann wirklich Hopfen und Malz verloren.

Manfred Altmann

Rosenheim

„Aller guten Dinge sind drei“, meint Herr Warmedinger mit einem Sprichwort in seinem Leserbrief. Dazu nun eine weitere Zugabe: Wir Leser der OVB-Heimatzeitungen leben in Bayern und haben deshalb das gute Recht, ein süddeutsch geprägtes Hochdeutsch zu sprechen und zu schreiben. Im Bairischen bedeutet „gehen“ meist Bewegung zu einem Ziel: „In die Schui, zur Wahl, in die Kirch gehen“, egal, ob tatsächlich zu Fuß oder mit dem Radl oder dem Auto. Und wenn der Baier klarstellen will, dass er das zu Fuß tun will, sagt er eben, dass er „laufen“ will. Warum sollten wir uns da in unserem(!) Hochdeutsch verbiegen müssen? Ich halte unsere nichtbairischen Mitbürger nicht für so dumm, dass sie einem „laufenden“ Baiern deswegen unbairische Hochgeschwindigkeit beim Gehen unterstellen würden. Noch ein Sprichwort: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Aber sie stirbt. In der allsamstäglichen Glosse ‚Am Rande notiert‘ lässt uns Josef Bauer immer wieder an amüsanten Erlebnissen und Gedanken teilhaben. Warum nicht, dafür ist dieser Platz in der Zeitung ja vorgesehen. Aber warum unbedingt immer wieder in einer Sprache, die unbedingt „Bairisch“ sein will. Das innere Ohr des Muttersprachlers ist da beim Lesen in fast jeder Zeile tinnitusgefährdet: Worte, Satzkons truktionen, Deklinationen, Ausdrucksweisen, die im Bairischen einfach nicht gehen (oder „laufen“?), werden nicht dadurch bairisch, dass der Text mit ein paar kraftbairischen Versatzstücken angereichert wird! Aber: Ich gebe die Hoffnung nicht auf!

Dr. Johannes Huber

Ampfing

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