Kuschen wir vor der Auto-Lobby?

Zum Artikel „Sprit müsste für Klimaziele bis zu 70 Cent teurer werden“ (Politikteil):

Was bringt billiges Fahren, wenn die Straßen so verstopft sind, dass man kaum mehr fahren kann? Im Jahr 1960 musste ein Normalverdiener vier Stunden arbeiten, um Benzin oder Diesel für 100 Kilometer Fahrstrecke kaufen zu können. Heute sind es nur 30 bis 45 Minuten. Wenn der Sprit doppelt so teuer wäre, wäre es heute immer noch viel billiger als vor 60 Jahren. Wäre es politisch durchsetzbar, wenn bei doppeltem Preis das Geld nicht einfach im Staatssäckel verschwindet, sondern alles den öffentlichen Verkehrsmitteln zufließt? Diese könnten dann, zumindest für die ersten Jahre, sogar kostenlos sein und in einem viel engerem Zeittakt fahren – auf dem Land, ähnlich wie in der Stadt die U- und S-Bahnen. Die Bevölkerung würde es vermutlich sogar schlucken, aber die Auto-Lobby? Kuschen wir da vielleicht zu viel vor ihr?

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Sepp Span, dem ehemaligen obersten Waldbauern Bayerns, bezüglich der modernen Holzfäller-Maschinen, die bei den Laubbäumen nicht funktionieren, wenn der Umbau von reinem Nadelwald zu Mischwald hiebreif wird. Seine Antwort damals: „Nicht die Industrie hat zu bestimmen, wonach sich die Natur und die Waldbesitzer richten sollen, sondern sie muss sich nach der Natur und den Gegebenheiten richten. Die muss sich umstellen, nicht wir Waldbauern“. Auch wenn wir umweltfreundlichere Antriebsmotoren bauen – die Straßen werden deshalb nicht leerer, aber Steuern könnten dieser Entwicklung entgegenwirken. Steuern durch Steuern. Die Fahrzeugindustrie könnte zum Beispiel anstelle von Autos ganz neue und attraktive Nahverkehrssysteme entwickeln.

Hans Fritz

Bad Endorf

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