Kritische Unternehmer: Realitätsverlust oder berechtigtes Anliegen?

Zum Bericht „Gedulds- und Gesprächsfaden gerissen“ (Regionalteil):

Was Herr Berghammer und Herr Dettendorfer in dem OVB-Bericht festgestellt haben, kann ich nur bestätigen. Auch ich habe an Herrn Söder einen Brief geschrieben, in dem ich die Probleme der Vermieter, der Gastronomie, schlichtweg der gesamten Tourismusbranche einschließlich der vielen tausend Mitarbeiter geschildert habe.

Natürlich ohne eine Antwort zu bekommen. Mein Leserbrief im OVB, zugegeben nicht gerade mit Engelsfedern geschrieben, blieb auch unbeantwortet. Das Gleiche an die Staatskanzlei. Jetzt schreibt Herr Blume, Generalsekretär der CSU, unter der Überschrift „Näher am Menschen“ eine Mitteilung an die Mitglieder der Partei. So weit weg von den Menschen, von denen sie gewählt wurden, waren unsere Volksvertreter noch nie.

Natürlich ist es nicht einfach, täglich auf die gleichen Fragen antworten zu sollen. Aber Arbeit ist Arbeit, zumindest für die Zeit, für die sie gewählt wurden.

Da war noch etwas: Die meisten Politiker wurden in der Zeit gewählt, in der sie noch einem „normalen“ Beruf nachgingen. Andere wiederum haben vorher nie wirklich gearbeitet, sondern sind unmittelbar nach dem Studium in die Politik gegangen, also wissen sie nicht, was es heißt, keine Arbeit zu haben. Es bleibt nicht aus, dass der eine oder andere einen Beruf als selbstständiger Unternehmer ausübte. Was geschieht jetzt mit der Firma? Ein Partner, die Ehefrau, deren Bruder oder wer auch immer sorgt für den Fortbestand des Unternehmens. Keiner kann all denen verbieten dem Kerngeschäft und hierum geht es, nachzukommen und an Ausschreibungen teilzunehmen, die dann schlimmstenfalls auch noch gewonnen werden. Wenn dieser Super- Gau eintritt, ist das Mandat weg und die Firma unter Umständen auch.

Ich denke, hier muss unterschieden werden, ob ein, sagen wir, Anwalt Maskenkauf vermittelt, oder eine Versicherungsagentur Versicherungen verkauft. Wenn sonst nichts geht, Herr Winhart, dann wenigstens Existenzen zerstören.

Klaus Storch

Rosenheim

Dass mittelständische Unternehmen unter den Corona-Maßnahmen schwer zu leiden haben, kann ich absolut nachvollziehen, dennoch sollte man schon noch sachlich bleiben.

Da werfen auch die beiden Unternehmer Dettendorfer und Berghammer Abgeordneten generell Abgehobenheit vor, gleichzeitig spricht Herr Berghammer davon, dass ihre Unternehmerinitiative zahlenmäßig so bedeutend sei, dass man sich erst gar nicht mehr an die heimischen Abgeordneten, sondern gleich an Wirtschaftsminister Aiwanger wende. Das finde ich arrogant und abgehoben.

Ein zweiter Vorwurf Richtung Abgeordnete ist deren Realitätsverlust. Andererseits behaupten die Unternehmer, besonders in Gestalt von Herrn Dettendorfer, das zunehmende Denunziantentum (soll das ernsthaft ein Vergleich mit der Stasi und den informellen Mitarbeitern in der DDR sein?) und die Eingriffe in die Grundrechte erinnerten sie an die DDR. Das nenne ich einen groben Realitätsverlust.

Bei uns wurden wegen der Pandemie einige Grundrechte temporär eingeschränkt, um ein zentrales Grundrecht, das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zu schützen. In der DDR gehörte es zum System, dass viele Grundrechte grundsätzlich faktisch nie zur Verfügung standen.

Momentan sind zum Beispiel Demonstrationen unter Pandemie-Bedingungen durchaus erlaubt, selbst gegen nicht erlaubte Demon strationen geht die Polizei nicht vor. Wie das in einer Diktatur aussieht, weiß jeder, der in den letzten Monaten die Vorgänge in Weißrussland und Myanmar verfolgt hat.

Dann gibt es wieder die unselige Behauptung, kritische Stimmen kämen kaum zu Wort. Genau, deshalb wurden auch dieser Artikel ebenso wie zuvor ein offener Brief der Unternehmer und unzählige Leserbriefartikel allein im OVB veröffentlicht, in der gleichen Ausgabe vom 21. April kam auch noch der Musiker Doetsch ausführlich zu Wort, der Deutschland als eine Diktatur bezeichnet, gegenüber der das SED-Regime harmlos sei. Noch so ein Diktatur-Experte.

Bernward Schmidt

Prutting

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