Kritik an Verdi und den Streiks im ÖPNV

Zur Berichterstattung über die Streiks im ÖPNV und zu dem Kommentar „Diese Streiks sind befremdlich“ von Dirk Walter (Seite 2):

Warum muss die Gewerkschaft Verdi streiken? Ich verstehe das nicht. Wo alles den Bach runter geht und die armen Eltern, die Kleinkinder haben, zu Hause bleiben müssen. Verdi kriegt den Hals nicht voll.

Christa Wanger

Rosenheim

34 Jahre habe ich als Personalleiter eines größeren Dienstleistungsunternehmens in München die jährlichen Tarifverhandlungen und in vielen Branchen die folgenden Streiks erlebt, wenn es nicht zu einer Einigung kam. Wenn in unserer Gegenwart inmitten der Corona-Krise auf das Machtinstrument Streik zurückgegriffen wird, ist das „für mich mehr als befremdlich“ (Dirk Walter), mindestens „unverantwortlich“ (OB Dieter Reiter) und für mich Vorsatz ohne Rücksicht auf Verluste.

Dass für eine angemessene Entlohnung der Erzieherinnen und Pflegekräfte die Spirale Streit-Kampf-Macht-Streik bemüht werden muss, zeigt deutlich, dass die Arbeitgeber und die Gewerkschaften in ihren alten Ritualen erstarrt sind, keine lösungsorientierten Methoden und Verfahren entwickelt haben und letztlich die Arbeitnehmer als Machthebel instrumentieren müssen.

Auf Unternehmensebene ist es mir gelungen, über 34 Jahre die Probleme der Mitbestimmung, der Umorganisation, der Entlassungen und der Einzelkündigungen mit dem Betriebsrat in intensiven und anstrengenden Gesprächen, Diskussionen und Vereinbarungen zu lösen. Es gibt Alternativen, und es darf hinzugelernt werden.

Hermann Erhard

Brannenburg

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