Leserbriefe

Abriss der „Buachwoidhüttn“ in Edling: Kritik, aber auch Verständnis für Entscheidung

Die „Buachwoidhüttn“: Ein ganzes Jahr haben 14 junge Edlinger und Ramerberger an ihrem Baumstammhaus gewerkelt, nun sollen sie es wieder abreißen. Die Entscheidung des Landratsamtes Rosenheim, gefällt nach einer anonymen Anzeige, sorgt für reichlich Gesprächsstoff bei unseren Lesern.
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Die „Buachwoidhüttn“: Ein ganzes Jahr haben 14 junge Edlinger und Ramerberger an ihrem Baumstammhaus gewerkelt, nun sollen sie es wieder abreißen. Die Entscheidung des Landratsamtes Rosenheim, gefällt nach einer anonymen Anzeige, sorgt für reichlich Gesprächsstoff bei unseren Lesern.

Zur Berichterstattung über den geforderten Abriss der „Buachwoidhüttn“ in Edling (Regionalteil):

Artikel: Sie sollen ihre „Buachwoidhüttn“ abreißen: Clique aus Edling und Ramerberg ist entsetzt

Yvonne Novosel, Edling:

Mit Erschrecken, Wut und Unverständnis habe ich von dem geforderten Abriss der „Buachwoidhüttn“ in Edling gelesen. Ich wohne seit Mai hier und kann es absolut nicht verstehen. Die Hütte liegt so gut im Abseits, die Jugendlichen können dort feiern und ich habe bis dato nichts gehört oder fühlte mich belästigt! Es gibt so viel Wichtigeres zu regeln! Der- oder diejenige, die die Anzeige erstattet hat, sollte sein Gesicht zeigen und mitteilen, um was es tatsächlich geht! Mensch, lasst die Jugend feiern!

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Hans Peter Schwerdtfeger, Edling:

Als Bürgermeister hätte Herr Schnetzer es besser wissen müssen, als Vater kann man ihn verstehen. Eine solch große Hütte bleibt ein Schwarzbau im Außenbereich, auch wenn er auf Privatgelände errichtet wird. Da kann auch ein Landrat nichts gegen eine Behörde ausrichten. Mit Moral kommt man dabei wohl nicht weiter. Aber manche Dinge lassen sich möglicherweise mit gutem Willen regeln, um keinen Präzedenzfall zu produzieren.

Was aber überhaupt nicht geht: Wenn es jemanden gibt, dem die Sache aus welchen Gründen auch immer, nicht passt, so muss der- oder diejenige offen seinen/ ihren Protest ausdrücken – unter Angabe des Namens, der Anschrift und der Begründung! Anonym ist feige und zeugt von schlechtem Benehmen. Es ist unverständlich, dieses nicht klar in dem Artikel anzusprechen.

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Michael Reithmeier, Zellerreit:

Das Landratsamt sollte seine Abrissentscheidung gründlich überdenken. Es geht hier um unsere Jugend, unsere nachfolgende Generation, der mit solchen Aktionen das Vertrauen in unsere Gesellschaft genommen wird. Ich kenne die Mädels und Jungs der Hüttn von klein an und es ist schön, zu sehen, wie sie sich zu grundanständigen Leuten entwickeln, die bereits jetzt fest im Leben stehen. Schule, Ausbildung, Lehramt; die Ersten gehen bereits in die Selbstständigkeit, übernehmen mal unsere Betriebe.

Da bin ich als Vater, Onkel und Gönner stolz auf unsere „Blasn“ (Clique sagt bei uns keiner): hilfsbereite, talentierte jungen Menschen, die in den Vereinen engagiert sind. Und gerade bei der Feuerwehr oder bei den Ersthelfern wird ihr Dienst als Selbstverständlichkeit gesehen. „G`standene Leut“ sagt man dazu, die ihren Weg dorthin größtenteils selbst finden, mit Wurzeln und Flügeln ausgestattet. Sie haben sich selbst organisiert, die Öffentlichkeit hat keinen Pfennig ausgeben müssen. Lasst ihnen ihre Hütten, lasst sie dort feiern und unter sich sein. Sie stören an der privaten Waldleitn niemanden – bis auf den anonymen Anzeigeerstatter. Auch wenn sich die jungen Leute einmal der Tragweite ihres Handelns nicht ganz bewusst sein sollten, zum Beispiel, wenn zu heftig gefeiert wird, gäbe es die Möglichkeit, zu ihnen zu gehen, um ihnen zu sagen, was einen stört, anstatt anonym Anzeige zu erstatten.

Die Hütte wurde in weiser Voraussicht groß genug gebaut, um Mindestabstände einhalten zu können, sie ist auch sehr stabil. Die Mädels und Jungs haben die Verantwortungsträger herzlich dazu eingeladen, sich ein Bild vor Ort zu machen. Ich denke, dass es neben der amtlichen Seite auch eine moralische Verpflichtung gegenüber den Heranwachsenden geben sollte.

Zumindest erwarten die Erbauer der „Buachwoidhüttn“, dass man es ihnen direkt ins Gesicht sagt, wa rum gerade ihr Baumhaus abgerissen werden muss.

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Kai Hunklinger, Ramerberg:

Wenn ich den Artikel richtig verstehe, so hätte ein schwarz gebauter landwirtschaftlicher Geräteschuppen mehr Aussichten auf nachträgliche Duldung als ein Jugendtreff. Man weiß also lieber Spaten und Rechen gut aufgehoben als unsere Jugend. Wenn (hoffentlich) nach Corona die Gewaltenteilung im Land wieder funktioniert, sollten sich bitte alle drei Säulen der Demokratie da rüber mal Gedanken machen.

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Franz Kurzmeier, Gars

Den 13 jugendlichen Erbauern der Hütte ist zwar bewusst, dass es sich um einen nicht genehmigungsfähigen Schwarzbau im Außenbereich handelt, dennoch fühlen sie sich im Recht und fordern die Genehmigung vom Landratsamt ein. Ich meine: Eigentlich sollten 16- bis 20-Jährige schon so viel Rechtsverständnis aufbringen und das Gesetz respektieren. Oder doch nicht? Wurden sie doch vom Grundstückseigentümer Bürgermeister Schnetzer (durch mehrjährige Tätigkeit durchaus mit den Grundzügen des Baurechts vertraut) bei der Grundstücksauswahl und dem Schwarzbau bestärkt? Ja, es scheint so. Wollte der Bürgermeister den Schwarzbau dann noch mit dem Antrag auf Bauerlaubnis eines landwirtschaftlichen Schuppens „retten“? Wie verstehen die Jugendlichen das jetzt wiederum? Der Bau steht über den Gesetzen? Sie wurden nur benutzt, damit der Bürgermeister Eigentümer und Nutznießer eines landwirtschaftlichen Schuppens wird? Oder: Wenn der Schuppen genehmigt ist, bleibt es wie es ist und sie betreiben eine Partyhütte weiterhin illegal?

Völlig verblendet-arrogant fordert Bürgermeister Schnetzer der Hütte zuzustimmen, was der Moral geschuldet sei. Es ist schon richtig, ein Bürgermeister muss sich für die Bürger und Jugendlichen einsetzen, was aber nicht heißt, auf illegale Mittel zu beharren und einzufordern. Mit diesem Verhalten lässt der Bürgermeister jegliche Sozialkompetenz vermissen, schadet der Demokratie und dem Rechtsverständnis.

Von Anfang an wäre es seine Aufgabe gewesen, zusammen mit dem Gemeinderat für einen legalen Treffpunkt der Jugendlichen zu sorgen. Es liegt an ihm selbst diesen Schaden, wenn möglich, zu bereinigen.

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