Klimadebatte das Reizthema

Beim Aktionstagvon „Fridays for Future“ hält eine Schülerin ein Plakat vor ihr Gesicht. dpa
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Beim Aktionstagvon „Fridays for Future“ hält eine Schülerin ein Plakat vor ihr Gesicht. dpa

Zur Berichterstattung über die Klimadebatte (Titelseite, Regional- und Bayernteil) sowie zum Kommentar von Georg Anastasiadis „Streit mit Fridays for Future: Siemens wählt die Cholera“ sowie zum Artikel „München ruft Klimanotstand aus“ (Titelseite):

Wie Herr Anastasiadis in seinem Kommentar so schön schreibt, ist in kaum einem anderen Land der Erde die Bevölkerung so umweltbewusst wie in Deutschland und findet diese neue Bewegung, die zur Religion stilisiert wird, so viele gläubige Anhänger wie hier. Einer Jugend, der es noch nie so gut ging, wie in der Jetztzeit, lässt sich hierfür gut einspannen.

Das Kind wirklich beim Namen zu nennen, das traut sich niemand. Denn es geht eigentlich um das grenzenlose Konsumieren, an dem das Wirtschaftssystem gut verdient und dies ganz sicher nicht ändern wird. Im Gegenteil: Es sollen derzeit sieben Milliarden Menschen als Konsumenten gewonnen werden. Auch kann man mit der Umwelthysterie wieder neue Märkte erschließen – siehe Elektro-Mobilität.

Das Klima hat sich, seit die Erde existiert, immer wieder verändert, auch ohne das Zutun von Menschen. Unbestritten ist jedoch, dass es so nicht mehr weitergehen soll. Doch dies geht unter anderem nur mit Konsumverzicht. Davon höre ich bei der Friday-for-Future- Bewegung nichts. Wir konsumieren doch nur zu gerne. Braucht es beispielsweise alle paar Kilometer Riesensupermärkte und Großhandelsketten, übervoll mit Waren, Autohändler mit Halden voll Neu- und Gebrauchtwagen? Hierfür werden weltweit Unmengen von Gütern per Schiff, Flugzeug und Lkw kreuz und quer transportiert. Ganz zu schweigen von dem grandiosen Ressourcenverbrauch.

Bevor die deutsche Umweltbewegung speziell die eigene Wirtschaft ruiniert und Arbeitsplätze verschwinden, sollten sie lieber über ein vernünftiges Konsumverhalten nachdenken und vorleben.

In diesem Sinne bitte Vernunft walten lassen und den Verstand einschalten.

Beatrix Fritz

Rosenheim

„München ruft den Klimanotstand aus“, so stand es in der Zeitung. Hier sollte aber dann die Frage erlaubt sein, was das bedeutet und was das eigentlich ist. Nun ganz kurz: Klimanotstand ist kein rechtlich bindender Begriff und es existiert auch keine einheitliche Definition. Also kann jeder den Begriff so benutzen, wie es ihm am besten in den Kram passt. Also ideal für Politiker. Der Sprach- und Kulturkritiker Karl Kraus würde sagen: „Es genügt nicht, keine Gedanken zu haben, man muss auch unfähig sein, sie auszudrücken“.

Zur Veranschaulichung ein Gedankenmodell. Unser Sonnensystem ist so etwa 4,5 Milliarden Jahre alt. Wenn wir das auf einen Tag schrumpfen würden, wäre der Mensch so etwa seit zehn Sekunden hier unterwegs. Aber es ist in dieser Zeit schon einiges passiert. Es gab eine giftige Atmosphäre, tropische Meere, Eiszeiten, Meteoriteneinschläge, Vulkanausbrüche, die Erde „eiert“ mit wechselndem Abstand um die Sonne, Kontinente verschieben sich und ab und zu schaltet die Erde ihr schützendes Magnetfeld ab, um es irgendwann in umgekehrter Richtung wieder anzuschalten. Es stimmt schon, das Klima ändert sich – und zwar laufend. Wir haben aber keinen Klimanotstand, wir haben einen „Intelligenznotstand“ – was mit Sicherheit viel verheerender ist.

Georg Igl

Gars

Mit Verwunderung muss man feststellen, dass nicht nur von der schulschwänzenden Jugend, sondern auch von vielen Politikern und nicht zuletzt manchen Medien der SUV als der Klimakiller schlechthin projiziert wird. Was für ein Schwachsinn. In SUVs werden dieselben Motoren verbaut wie in entsprechenden Limousinen, haben also denselben ökologischen Fußabdruck. Sie haben zwar etwas mehr Innenraum, eignen sich fantastisch zum Ziehen von Anhängern jeglicher Bauart, der Allradantrieb gibt enorm mehr Sicherheit im Winter oder verhindert bei Starkregen das Aquaplaning, auch trägt die höhere Sitzposition zu einer besseren Übersicht und demzufolge mehr Sicherheit bei.

Bevor man sich also auf die SUVs weiter einschießt, sollte lieber erst einmal ein generelles Tempolimit eingeführt werden sowie ein absolutes Verbot von Feuerwerkskörpern zur Jahreswende. Der Feinstaub, der allein an Silvester freigesetzt wird, entspricht der Menge des gesamten Verkehrs in zwei Monaten. Eine harsche Luftverkehrsabgabe für alle Tickets ist ebenso überfällig wie entsprechende Abgaben für alle Kreuzfahrt-Junkies. Elektroautos können zwar in Städten eine bedingte Entlastung sein, doch flächendeckend wird das immer ein Rohrkrepierer bleiben.

Das Erdklima war immer wieder einem Wechsel zwischen sehr warmen und sehr kalten Perioden unterworfen – lange bevor es SUVs gegeben hat. Warum wird nicht die Erforschung und Produktion von synthetischen Kraftstoffen forciert, mit welchen dann mehr oder weniger emissionsfrei die Verbrennungsmotoren weiter genutzt werden können?

Wenn unsere „Kanzlerdarstellerin“ wirklich etwas Konstruktives als Abgangsgeschenk veranlassen will, dann bitte die Kohlekraftwerke (und damit die Kohleförderung) anstatt der Kernkraftwerke abschalten.

Jakob Gerhard

Rohrdorf

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