Klimadebatte reißt nicht ab

Die „Fridays for Future“-Bewegung mit Greta Thunberg an der Spitze ruft nicht nur bei unseren Lesern unterschiedliche Reaktionen hervor. Harm Bengen

Zur Berichterstattung über die Klimadebatte sowie die Klimaaktivistin Greta Thunberg und die „Fridays for Future“-Bewegung:

Es ist mehr als befremdlich, mit welchen Argumenten und mit welcher Energie von vielen Leserbriefschreibern auf Greta Thunberg eingeprügelt wird. Denn es ist egal, ob jemand alt oder jung, gesund oder krank, gebildet oder ungebildet ist, wenn er nur die Wahrheit offen sagt. Und die junge Frau ist sicher nicht umsonst zur UNO-Konferenz eingeladen worden, um ihre Botschaft loszuwerden. Und diese Botschaft musste deutlich sein und berühren, damit sie wahrgenommen wird. Leider wird sie von vielen falsch verstanden.

Hauptproblem der Menschheit ist das Wachstum: immer größer, immer mehr. Und wir vernachlässigen Rückkopplungseffekte. Nicht nur, dass durch die Treibhausgase und die damit verbundene Erwärmung die Eisflächen abschmelzen; diese Flächen reflektieren nicht mehr und damit wird die Erwärmung noch einmal verstärkt. Wenn man heute um die 60 Jahre alt ist – so wie viele Politiker und die Kanzlerin – kann einem die Klimadebatte locker am Hintern vorbeigehen, denn die nächsten 20 Jahre wird man noch aussitzen können. Wenn man aber 15 oder 20 Jahre alt ist, dann darf man schon mehr als Bedenken bekommen. Die Kanzlerin redet nur über Wachstum, Wachstum, Wachstum – obwohl eine Physikerin Exponentialfunktionen kennen müsste. Andere reden über Kosten und Geld und Wirtschaft. Was hilft eine blühende Wirtschaft, wenn gleichzeitig die Welt zugrunde geht? Die Menschen leiden und sterben! Hat man vergangene Dürrekatastrophen vergessen? Inzwischen kann man sogar schon einheimische Bauern nach Klimaveränderungen fragen. Anstatt dumpfsinniges Twittergeschrei zu verbreiten, sollten wir zur Rettung aus dieser Klimasackgasse unser wichtigstes Organ einsetzen – unser Gehirn.

Josef Thaler

Rosenheim

Es bringt zwar im ersten Schritt fast nichts, wenn sich einige wenige darum bemühen, nachhaltiger zu leben, während noch viele wie gewohnt die Umwelt unachtsam nutzen. Aber ähnlich wie einzelne Menschen Vorbilder sein können, ist dies auch möglich für Familien, Firmen, Schulen, Vereine, Gemeinden, Landkreise, Bundesländer und Staaten.

Trotzdem würden wir viel mehr schaffen, wenn die Politik durch Gesetze dafür sorgen würde, dass alle gleichzeitig größere Schritte machen können. Beispiele: Katalysator, Rauchen, Gurtpflicht, Mülltrennung, Dosenpfand. Vielleicht mag Markus Söders Antrieb sein, die CSU bei der nächsten Wahl im Vergleich zu den Grünen nicht ins Hintertreffen geraten zu lassen. Egal, aber der Effekt von ökologisch sinnvollen Maßnahmen ist sehr zu begrüßen. Jetzt wollen wir keine Abstriche machen beim allgemeinen Wirtschaftswachstum, bei Reisen, beim SUV, beim vollen Kleider- und Schuhschrank, bei der 24 Grad beheizten 200-Quadratmeter-Altbauwohnung, bei Einwegverpackung, bei exotischen Lebensmitteln und beim 400-Gramm-Steak. Wenn nicht bald alle bereit sind oder per Gesetz dazu gebracht werden, diesen Lebensstil spürbar in Richtung Nachhaltigkeit anzupassen, können wir uns in naher Zukunft viel tief greifendere Sorgen machen um fundamentale Dinge wie Trinkwasser, Nahrungsmittel, Gesundheit, Lebensraum, Massenmigration und Kriege.

Heinrich Göbl

Rosenheim

Es reicht! Greta Thunberg und kein Ende. Bei Pippi Langstrumpf konnte man wenigstens noch lachen, bei Greta Thunberg treibt es einem nur noch die Tränen in die Augen. Bevor sie mit einem vor Wut entstellten Gesicht und Krokodilstränen weiterhin als Klimaheldin durch die Welt tingelt (natürlich standesgemäß mit einer teuren Rennsegeljacht), sollte sie sich in ihrer einjährigen Schulauszeit in einem Kriegsflüchtlingslager oder in einem der zahlreichen Slums von Afrika, Südamerika oder Südostasien nützlich machen. Dann würde vielleicht ein Grund bestehen, dass sie sich von den „Eliten der Welt“ beklatschen lässt. Bisher gibt es hierfür keinen Grund, einer übergeschnappten, hysterischen 15-Jährigen zu huldigen. Auch dann nicht, wenn sie quer durch alle unsere politischen Parteien (Ausnahme AfD), allen voran von den Grünen, als neue Frau Messias – zwecks Einhaltung der Frauenquote – gehandelt wird. Was für ein Possentheater. Unseren Politikern möchte man sagen: Kommt zurück zur Erde und werdet endlich wieder normal. Es gibt außer Greta Thunberg und endloser Klimadebatten auch noch vieles andere, das ebenso dringend bearbeitet werden müsste. Schaut einmal über die Grenze ins Nachbarland Österreich. Sebastian Kurz macht es glatt ohne Greta und Tamtam. Und da klappt‘s auch mit den Wählern! Der Wahnsinn gell! Es reicht wirklich!

Edith Pitschka

Ampfing

Wie viele der „Fridays for Future“ hüpfenden und schöne Plakate zeigenden Kinder, Jugendlichen, Eltern und Großeltern sind wohl an den Retouren des Onlinehandels beteiligt?

Michael Bothe

Traunwalchen

Ein paar Fakten zum Thema Klimaschutz: Es leben zu viele Menschen auf dem Erdball. Die größten Klimasünder in Sachen CO2-Ausstoß sind laut rp-online die USA mit 21,8 Prozent vor China (20,5), Russland (5,75), Japan (4,57), Indien (4,15) und Deutschland (3,2). Andere Quellen nennen andere Zahlen, geben für Deutschland eher weniger CO2--Produktion an. Würden alle Verbrennungsprozesse in Deutschland eingestellt, das Land also zurückversetzt in eine Zeit der Lagerfeuer in Höhlen, wäre die Welt dadurch zu retten? Laut WWF produzierten 2016 die 106 Großkraftwerke in Deutschland Strom aus Kohle, sie werden bis 2038 abgeschaltet. 1400 neue Kraftwerke sind laut Handelsblatt (4. Oktober 2018) derzeit weltweit in Planung und im Bau. Allein China plant in den nächsten 15 Jahren den Bau von 216 Flughäfen! An diesen Zahlen sieht man unsere doch sehr begrenzten Möglichkeiten. Die Schüler sollten freitags in die Schule gehen und mit den Lehrern über realistische Möglichkeiten diskutieren – ohne den Standort Deutschland und damit auch die eigene Zukunft zu gefährden.

Werner Schneider

Traunstein

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