Die Klimadebatte geht weiter

Klimaschutz, aber wie?Darüber scheiden sich die Geister. dpa
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Klimaschutz, aber wie?Darüber scheiden sich die Geister. dpa

Zur Berichterstattung über die Klimadebatte (Politikteil und Titelseite), zum Kommentar „Klimanotstand in Europa“ von Mike Schier sowie zum Leserbrief von Bernd Wagner:

Ich freue mich schon sehr auf die Zeit, in der all die Politiker, die vom Volk drastische und dramatische Einschränkungen wie zum Beispiel Tempolimit, CO2-Steuer und Benzinpreiserhöhung einfordern, mit gutem Beispiel vorangehen. In der es keiner Regierungsmaschinen mehr bedarf, weil auch Minister einen Linienflug wählen und keinen Hubschrauber, um den Herrn Innenminister schneller zurück nach Bayern zu seiner Modelleisenbahn zu bringen. In der Audi A8 oder Mercedes S-Klasse, in denen ein „wichtiger“ Politiker sitzt, nicht mehr vorne und hinten von weiteren schweren Limousinen begleitet werden wird. Eine Zeit, in der der ökologische Wahnsinn, sich mit Bonn und Berlin auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung faktisch noch zwei Regierungssitze zu leisten, endlich durch ein Machtwort beendet wird. So könnte ich noch viele Beispiele des „vorbildlichen Vorangehens“ finden – wissend, dass es nur Träume bleiben werden.

Klaus-Dieter Ruske

Aschau

Die Debatte über den Klimawandel nimmt inzwischen recht obskure Formen an. So möchte ich den Ausführungen des Herrn Wagner in vielen Punkten zustimmen: Ich bin zwar „erst“ in den Fünfzigern geboren, aber meine Erinnerungen an die Kindheit sind ähnlich. Aufgewachsen auf einem kleinen Bauernhof in der fränkischen Provinz, nahe der Grenze zur ehemaligen DDR, hatte ich einen weiten Schulweg sowie heute unvorstellbare Strapazen auf dem Weg zu meiner späteren Ausbildungsstelle zu überwinden. Die Wiederverwendung von Kleidung, Gebrauchsgütern und ein sparsamer Wasserverbrauch waren selbstverständlich. Viele dieser Verhaltensweisen habe ich in die Erwachsenenzeit hinüber gerettet, auch wenn wir heute zugegebenermaßen mobiler und manchmal bequemer geworden sind. Frei nach der Kabarettistin Monika Gruber kann ich für mich sagen: „Wir wussten zwar nicht, was Nachhaltigkeit ist, aber wir haben sie gelebt.“

Es ist gut, dass junge Menschen mit ihren Aktionen zum Klimawandel einen Weckruf starten. Aber diese Generalanklage an die Adresse der älteren Generation weise ich weit von mir. Es ist gut möglich, dass dieses Auftreten bei manchen Bürgern das Gegenteil bewirkt. Greta Thunberg ist in einem der reichsten Länder der Welt groß geworden, sie musste weder mit bloßen Händen nach Kobalt graben noch im Müll nach Essen wühlen. Sich dann hinstellen und den Anwesenden weinerlich ihre angeblich gestohlene Kindheit vorzuwerfen, finde ich einfach nur „daneben.“ Ich meine, wenn jeder in seinem eigenen Umfeld mit den Schätzen der Natur sorgsam umgeht und sein Kaufverhalten ab und zu hinterfragt, so ist doch schon viel gewonnen. Ich für meinen Teil bin da zuversichtlich und brauche keine an die Wand gemalte Apokalypse!

Renate Wunderlich

Großkarolinenfeld

Es ist normal, dass Kommentare in einer Zeitung zugespitzt und pointiert sind – das liegt im Wesen eines Kommentars. Aber trotzdem sollten sie von einem Mindestmaß von Sachkenntnis getragen sein. Genau das scheint mir beim Kommentar von Herrn Schier nur begrenzt der Fall zu sein.

Er mokiert sich über das Ausrufen des Klimanotstands durch das EU-Parlament, „als gebe es gerade eine akute Bedrohung für Leib und Leben“. Keine 48 Stunden vorher hatte die Bundesumweltministerin bei der Vorstellung des Klimamonitoringberichtes des Umweltbundesamtes genau das dokumentiert: Neben den dramatischen Schäden in der Landwirtschaft und in der Forstwirtschaft habe es aufgrund der außergewöhnlichen Hitzewellen der Jahre 2003, 2006 und 2015 zusammen knapp 20 000 Todesfälle zusätzlich gegeben. „ Das ist die größte Naturkatastrophe, die wir in Deutschland in den letzten 50 Jahren hatten“, kommentierte das die Chefin des Umweltbundesamtes, Maria Krautzberger.

Angesichts dieser Fakten scheint mir das Ausrufen des Notstands nicht so absurd. Dann folgt in dem Kommentar die Äußerung, die Klimapolitik sei eine äußerst komplexe und langwierige Angelegenheit. Wohl wahr – vor allem die Konsequenzen sind langwierig und nicht korrigierbar, wenn nicht endlich gehandelt wird. Denn ansonsten ist die Klimapolitik vor allem deshalb langwierig, weil die Politiker nicht die politischen Konsequenzen aus den Analysen der Klimaforscher ziehen.

Bereits 2006 hatte der Engländer Nicolas Stern in einer Studie für die UNO nachgewiesen, dass zu diesem Zeitpunkt (der schon 13 Jahre her ist) man mit dem Aufwand von einem Prozent des Bruttosozialproduktes die Klimakrise in den Griff kriegen könne, das Nichthandeln aber Kosten in Höhe von fünf bis zwanzig Prozent des Bruttosozialproduktes hervorrufen könne.

Je schneller der Klimaschutz also wirksam wird, desto geringer sind die Folgekosten. Also sollte man ihn nicht auf die lange Bank schieben.

Detlef Dobersalske

Breitbrunn

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