Kindheit im Arbeitslager

Zum Bericht „Gedenktag gibt Mahnung“ ein Gesicht (Lokalteil):

Heuer, am 15. Januar 2020, jährte sich zum 75. Mal die Deportation Tausender Deutscher aus dem Banat, aus Siebenbürgen und anderen Ländern Südosteuropas als Zwangsarbeiter in die Sowjetunion. Es ist mit Abstand das dunkeltste Kapitel, das man der deutschen Minderheit in diesen Ländern angetan hat, und das nur wegen ihrer deutschen Volkszugehörigkeit. Dass man den Opfern, die dieses Verbrechen nicht überlebt haben, jedes Jahr erinnert und gedenkt, finde ich sehr richtig und wichtig. Auch in unserer Stadt Waldkraiburg wird seit einigen Jahren an dem Mahnmal der Vertreibung dieser Opfer gedacht und gemahnt, dass sich ein solches Unrecht nie mehr wiederholen darf. Für mich persönlich ist bei diesen Gedenken und in den Berichten der Presse aber auch immer ein Ärger dabei und zwar, wenn es um das Alter der Verschleppten geht. Es wird immer betont, dass es sich hier um Männer zwischen 16 und 45 Jahren und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren handelt. Dies entspricht nicht ganz der Wahrheit. Mein Vater ist am 14. Oktober 1930 geboren und wurde am 15. Januar 1945 in seinem Heimatdorf gefangen und deportiert. Er war auf den Tag genau 14 Jahre und drei Monate alt. Er arbeitete in einer Kohlegrube, bis er nach über zwei Jahren sehr geschwächt in die damalige Ostzone abgeschoben wurde. Von dort kehrte er neun Monate später wieder in seine Heimat Wolfsberg zurück. Seine Kindheit verbrachte er somit als Zwangsarbeiter in der Sowjetunion. Es gab durch diese Verschleppung bestimmt noch schwerere Schicksale als das meines Vaters, aber ich wollte nur klarstellen, was das Alter der Verschleppten betrifft.

Johann Köstner

Waldkraiburg

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