Keinen Respekt vor der Würde eines Menschen

Zum Artikel „Junge Frau missbraucht: Gericht verurteilt Vergewaltiger (27) zu Bewährungsstrafe“ (Regionalteil):

Ein Mädchen, eine Frau, die vergewaltigt wurde, hat nicht nur körperlichen Schaden erlitten, sondern schleppt das Trauma aus dieser grausamen Situation ein Leben lang mit sich, das ist immer auch ein Problem für den Partner und die Familie. Nur weil eine Frau es sich im späteren Leben nicht anmerken lässt, heißt dies noch lange nicht, dass sie die Vergewaltigung, die Demütigung, überwunden hat. Und die Strafe für den Vergewaltiger wird zur Bewährung ausgesetzt? Nur ein Kavaliersdelikt, weil der Täter geständig ist? Wer so etwas befürwortet, hat in meinen Augen keinen Respekt vor der Würde eines Menschen. Wer so ein Urteil spricht, zeigt dem Opfer, dass ihm das zugefügte Unrecht und die daraus resultierenden Schäden hübsch egal sind. Wer falsch parkt, wird unerbittlich zur Kasse gebeten, also direkt bestraft. Wer vergewaltigt, kann mit der Milde des Richters rechnen. Am liebsten würde ich Ludwig Thoma zitieren, denn der schrieb: „Er war Jurist und auch sonst von beschränktem Geiste“. Aber so etwas mach ich lieber nicht, wer weiß, wie streng das bestraft wird.

Volker Lindner

Bad Feilnbach

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