Keine „Peanuts“, sondern eine Gerechtigkeitslücke

Zum Artikel „Verbände warnen vor drastischem Lehrermangel“ (Bayernteil):

An der Tatsache, dass es zu wenig Grund- und Mittelschullehrer, aber mehr als genug Realschul- und Gymnasiallehrer gibt, kommt nun niemand mehr vorbei. Aber statt diese Lehrämter vor allem finanziell attraktiver zu gestalten, wird den dort unterrichtenden Lehrern noch mehr aufgebürdet. Höhere Arbeitszeiten bei deutlich niedrigeren Gehältern belegen die geringere Wertschätzung für diese Lehrämter: Ein Realschullehrer (A13) bringt es im Laufe seines Lebens (einschließlich Pensionszeit) auf etwa 250 000 bis 270 000 Euro mehr Gehalt, als seine gleich lang studierenden Grund- und Mittelschullehrer (A12). Ein Gymnasiallehrer (mit A15) kann es sogar auf über 650 000 Euro mehr Gehalt schaffen, wobei eingerechnet ist, dass er ein Jahr länger studiert hat. Die Regelarbeitszeit des Gymnasiallehrers liegt bei 23 Stunden pro Woche, die des Realschullehrers bei 25 Stunden, die des Mittelschullehrers bei 27 Stunden, die des Grundschullehrers bei 28 Stunden (demnächst 29 Stunden). Diese Unterschiede sind keine „Peanuts“, dies ist keine Neiddebatte, sondern eine seit Jahrzehnten bestehende Gerechtigkeitslücke. Die Freien Wähler sind vor der letzten Landtagswahl angetreten mit dem festen Vorsatz, dass Grund- und Mittelschullehrer so wie ihre Kollegen an Realschulen ein A13-Gehalt erhalten sollten. Nun besetzen die Freien Wähler mit Herrn Piazolo sogar das Kultusministerium und könnten einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik umsetzen: Sie könnten zum Beispiel die Ausbildung so reformieren, dass es zwar keinen „Einheitslehrer“ gibt, aber doch alle Lehrämter gleichwertig sind und so auch besoldet werden. Man könnte dazu ein gleiches Bachelorstudium für alle angehenden Lehrer einführen, dem sich dann ein Masterstudium anschließt. Stattdessen täuschen die Freien Wähler alle Grund- und Mittelschullehrer, die große Hoffnungen in sie gesetzt hatten. Schade!

Monika Wolf

Loitersdorf

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