Keine grüne Frauenpower

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Die Wahlversammlung der Grünen für ihre Kandidatenliste zur Stadtratswahl in Neumarkt-St. Veit geriet zur peinlichen Posse. Da es keinen grünen Ortsverband in Neumarkt-St. Veit gibt, leitete der Kreisverband Mühldorf die Versammlung. Sieben Männer und drei Frauen waren in der von den Stimmberechtigten mehrheitlich gewünschten Einzelwahl der Kandidaten wahlberechtigt. Auf eine Blockwahlliste (wie eigentlich üblich) wollte und konnte man sich im Vorfeld nicht einigen. Eine der Frauen hat in jedem Wahlgang kandidiert und ist in jedem Wahlgang einstimmig abgelehnt worden, obwohl oder vielleicht gerade weil sie sich für Frauenpolitik in der Stadt starkgemacht hat. Die Wahlstatuten der Grünen mussten in jedem Wahlgang per Abstimmung bemüht werden, um das Vetorecht des Grünen-Frauenstatuts auszuhebeln, wonach jeder ungerade Listenplatz einer Frau zusteht. Die zweite Frau bekleidet ein Kirchenamt und darf in Bayern selbst nicht kandidieren und die dritte Frau, die den Herren vermutlich lediglich als Mehrheitsbeschafferin diente, durfte schließlich einen hinteren „Quotenplatz“ belegen. Zwei der drei Frauen stimmten sogar jeweils ausdrücklich für die Aussetzung der grünen Quotenregelung, das gab es noch nirgends bei einer grünen Wahlversammlung! Ergebnis: Eine grüne Kandidatenliste mit sieben Männern und einer Frau. Zur Erinnerung: Die Kandidatenliste des grünen Kreisverbandes für den Mühldorfer Stadtrat umfasst 17 Kandidaten, davon 13 Frauen. Vielleicht passt es ja ins Bild: Im amtierenden Stadtrat Neumarkt-St. Veit sind bei 20 Mitgliedern nur fünf Frauen vertreten.

Alexander Liesenhoff

Neumarkt-St. Veit

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