Keine fahrenden Fackeln

Zum Bericht "Auto wird zur Magnesium-Fackel" im Bayernteil:

Der als "neu" bezeichnete Werkstoff Magnesium wird bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts industriell und seit den 1950er-Jahren im Automobilbau verwendet. Millionen VW-Käfer fuhren mit Getriebegehäusen aus Magnesium problemlos durch die Lande. Danach ist dieses Leichtmetall wegen seines kritischen Korrosionsverhaltens und der hohen Kosten in den Hintergrund getreten. Durch die auf Grund der reduzierten Verbrauchsvorschriften notwendige Gewichtsreduktion gewinnt der Werkstoff in den letzten Jahren wieder an Bedeutung.

Magnesium ist nur dann leicht entzündlich, wenn es eine große spezifische Oberfläche hat (Späne, Stäube) oder flüssig bei Temperaturen zwischen 430 und 600 Grad Celsius vorliegt. Deshalb sind bei der Erzeugung hohe Sicherheitsanforderungen einzuhalten. Ein Motorblock (genauer Zylinderkurbelgehäuse) brennt nicht, sondern kann bei solch hohen Temperaturen schmelzen, erst das flüssige Metall wird brennbar. Hierzu muss ein Auto im Vollbrand stehen. Ein Löschversuch mit Wasser hätte dann allerdings fatale Folgen. Dies gilt für alle verflüssigten Metalle.

Außerdem wundert mich die Aussage, dass gebräuchliche Feuerlöscher im Auto ein Schaumgemisch enthalten sollen. Soweit mir bekannt ist, handelt es sich in der Regel um Pulverlöscher für die Brandklassen ABC, die keine Feuchtigkeit enthalten. Andernfalls wären sie nur für die Brandklasse A (feste Stoffe) zugelassen und bei Fahrzeugbränden mit dem Mix an Werkstoffen gar nicht einsetzbar. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass nicht der Eindruck entstehen darf, Fahrzeuge mit hohem Magnesiumanteil seien als fahrende Fackeln einzustufen.

Rudolf Gölz

Eiselfing

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