Kaum kürzere Fahrzeiten

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Die Autoren schreiben, die geplante Fahrzeitverkürzung auf 3:30 Stunden zwischen München und Zürich ab kommendem Fahrplanwechsel sei zunächst unerreichbar, weil ein Softwarewechsel an der Grenze zu Österreich dies verhindere. Die Fahrt zwischen München und Zürich dauere also zunächst noch vier Stunden.

Dazu sollte man wissen, dass vor Jahren der EC über Memmingen auch nur 4:12 Stunden benötigte. Ein Softwarewechsel ist zudem zwischen Österreich und der Schweiz nötig, nicht an der deutsch-österreichischen Grenze. Hintergrund ist, dass Alstom wie auch alle anderen Hersteller (Bombardier und Siemens) Probleme mit dem ETCS Baseline 3 haben. Die für den EC vorgesehenen SBB-Triebzüge des Typs RABe 503 „Astoro“ müssen in St. Margrethen eine sogenannte dynamische Transition durchführen, also einen Systemwechsel während der Fahrt statt im Stillstand, um den vorgesehenen Fahrplan einzuhalten. Übergangsweise muss die Transition statisch, also während eines etwas längeren Haltes in St. Margrethen erfolgen. Dieser zusätzliche Zeitbedarf zerschießt den kompletten EC-Fahrplan, da die Trasse so nicht mehr erreicht werden kann.

Im deutschen Abschnitt ist wegen des minutengenauen Korsetts der EC-Trasse keine Anpassung möglich. Auf diesem Abschnitt wird zwingend mit Neigetechnik der Zielfahrplan bereits ab Dezember 2020 gefahren. Es hat sich gezeigt, dass es möglich ist, zwischen Zürich und St. Gallen mit der Sprintertrasse des IC 5 exakt 30 Minuten später abzutauschen. Erfreulich ist, dass die ÖBB mit dem Railjet sechsmal täglich alle zwei Stunden in 4:11 Stunden von Kufstein nach Zürich fährt – für Reisende aus dem Rosenheimer Raum sicher die bessere Variante.

Thomas Faust

Brannenburg

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