Jüdisches Museum: Bruch statt Buch

Zum Bericht „Im Galopp durch die Geschichte“ (überregionaler Teil):

Mit Vergnügen habe ich Ihren Bericht über die neue Dauerausstellung im Jüdischen Museum Berlin gelesen. Sie gehen darin auch in Wort und Bild auf Anselm Kiefers Skulptur „Schewirat ha-Kelim“ („Buch der Gefäße“) ein. Dabei ist Ihnen aber ein kleiner, jedoch wichtiger Buchstabe abhanden gekommen ein ‚r‘. „Schewirat“ ist das Substantiv zum Verb schawar = zerbrechen. Es handelt sich nicht um ein Buch der Gefäße, sondern um den Bruch der Gefäße. Dahinter steckt die Vorstellung der Kabbalisten, Gott habe vor der Erschaffung der Welt und des Menschen einen Urmenschen erschaffen, den „Adam Qadmon“. Buchstäblich übersetzt ist das der „Voradam“. Aus ihm sei göttliches Licht geströmt, das dazu bestimmt war, in Lichtschalen aufgefangen zu werden, die mit dem aufgefangenen Licht Werkzeuge der Schöpfung sein sollten. Dem besonders starken Licht aus den Augen des Adam Qadmon hätten aber diese Gefäße nicht standgehalten, sondern seien zerbrochen. Das ist der „Bruch der Gefäße“. So strömte das Licht regellos herab und die Welt wurde, wie sie ist: Gutes und Böses gemischt. In Ihrer Abbildung der Plastik Anselm Kiefers ist dieser regellose Strom des stürzenden Lichtes sehr schön zu sehen.

Klaus Wulff

Bad Aibling

Man erfährt viele interessante Details über die neue Dauerausstellung im jüdischen Museum in Berlin, deren Realisierung über 3,5 Jahre dauerte. Leider gibt es keine Info in dem Artikel über den finanziellen Aufwand und über die Gesamtkosten des gewaltigen internationalen Kulturprojektes. Wohl kein Zufall, das Thema ist politisch heikel, weil es um gewaltige Steuergelder geht, seit das Museum vor 20 Jahren von Daniel Libeskind gebaut wurde. Der Architekt hatte damals übrigens keine Erfahrung mit Museumsbauten, so mussten beispielsweise im Nachhinein mit Millionen-Aufwand die Toilettenanlagen wesentlich vergrößert werden, weil Libeskind sie viel zu klein geplant hatte. Die ganzen 3500 Quadratmeter des Museums galten als unbespielbar, weil kein einziger Raum gerade Wände hat, sondern nur viele spitze Winkel und Ecken. Natürlich ruhmreich für den „genialen Daniel Libeskind und seine Weltkarriere“, unentschuldbar aber für die zahlreichen verantwortlichen Politiker im Bund, Land und Stadt.

Gerda Wojtech

Waldkraiburg

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