Ist es uns gleichgültig, was in Frankreich gesellschaftlich passiert?

Zur Berichterstattung über die Enthauptung eines Lehrers in Frankreich (Seite 1):

Es gebe hierzulande viel zu wenige empathische Stimmen, die den Tod des Pariser Lehrers, der von einem mutmaßlichen Islamisten ermordet wurde, kommentiert hätten. Das sagt der SPD-Vize Kevin Kühnert. Nur „Rechtsaußen“ hätten sich zu Wort gemeldet – so erklärt Kühnert weiter. Könnte es sein, dass dieses neue Denken mit der kommenden Bundestagswahl zu tun hat? Bisher jedenfalls waren die vielen Kapitalverbrechen, die Ausländern beziehungsweise Migranten zuzuordnen waren, kaum ein Thema, für das sich Linke interessierten. Dafür wurden vereinzelte Straftaten – auch wenn sie schon Jahre zurückliegen – von deutschen Straftätern umso ausgiebiger kommentiert.

Eine auffällige Zurückhaltung gibt es außerdem gegenüber den Verbalausfällen von Recep Erdogan. Der türkische Despot beherrscht es bestens mit der „Nazi-Keule“ um sich zu schlagen. Neuerdings gegen den französischen Präsidenten. Ein kuschen und wegducken – wie wir es von Frau Merkel kennen – ist von diesem aber eher nicht zu erwarten.

Rupert Obergrußberger

Neumarkt-St. Veit

Sogar bis auf die Titelseite schaffen es die paar Demonstranten aufgrund der Enthauptung eines französischen Lehrers. Dagegen wurden die landesweiten Protestaktionen (61 Städte) gegen die Ausweitung der von Macron geplanten Abtreibungsgesetzgebung, speziell die Verlängerung der Frist von zwölf auf 14 Wochen, totgeschwiegen. Das Brisante dabei: Bei Ungeborenen ist nach 14 Wochen der Schädel bereits so stark verknöchert, dass er vor der Entfernung aus der Gebärmutter mit einer Zange gebrochen werden muss. Immer mehr französischen Ärzten wird nun bewusst, dass ein reiner Zellhaufen keine Knochen haben dürfte. Da frage ich mich: Ist es uns Deutschen so gleichgültig, was in Frankreich gesellschaftlich passiert? Oder werden bei unseren Medien unliebsame Themen einfach zur Seite geschoben? Wer hier die Zahl der Betroffenen zu relativieren versucht, dem empfehle ich die offiziellen Abtreibungszahlen als Lektüre und frage, ob die Vorstellung vom Beginn eines Lebens nach Ablauf einer Frist von einigen Wochen noch haltbar ist. (Quelle: „Die Tagespost“ vom 15. Oktober 2020; Seite 1).

Josef Aicher

Halfing

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