Der Islam, Deutschland und Bayern

Zum Artikel "Gauck verzückt Kirchen und CSU" im Politikteil und zu "Söder: Islam ist Bestandteil Bayerns" im Bayernteil:

Bayerns Finanzminister Markus Söder erklärte auf dem Kulturfest der staatstreuen türkischen Ditib-Gemeinde in Nürnberg: "Der Islam ist Bestandteil Bayerns." Söder wird vom Geschichts- und Religionsunterricht her sehr wohl noch wissen, dass Bayern von christlich-abendländischer Kultur geprägt ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der er selbst glaubt, was er offensichtlich aus wahltaktischer Kalkulation von sich gegeben hat. Nicht nur zugewanderte muslimische Türken, auch Einwanderer aus anderen Ländern sollen und müssen, nicht zuletzt auch um ein friedliches Zusammenleben zu gewährleisten, vorurteilslos integriert werden, sofern sie das Grundgesetz respektieren. Der bewusst nicht differenzierenden Wortwahl "Islam ist Bestandteil Bayerns" muss ich widersprechen, weil es weder historisch noch gesellschaftlich richtig ist. Ich bin seit über 50 Jahren CSU-Mitglied. Sollte die Parteiführung die oben erwähnte Behauptung nicht, oder wenigstens in Ansätzen, korrigieren, trage ich mich ernsthaft mit dem Gedanken, auszutreten.

Dr. Karl Baltheiser

Bad Feilnbach

Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff hat gesagt: "Der Islam gehört zu Deutschland." Bundespräsident Joachim Gauck meint: "Die Muslime gehören zu Deutschland." Eine weitere Differenzierung könnte sein: Menschen, die den islamischen Glauben (oder vielmehr eine seiner vielen Konfessionen) gewählt haben, gehören zu Deutschland. Denn schließlich steht der Mensch und nicht die Konfession an erster Stelle. Für mich wäre diese Differenzierung wichtig und notwendig. Denn wir alle sind Menschen, die primär die Gesetze der Menschlichkeit und Ethik einhalten und befolgen wollen, aber mit unterschiedlichen Glaubensüberzeugungen, die wir frei wählen können, weil wir in Deutschland (Europa) lebenund alle Religionen friedlich nebeneinander sein dürfen. Unsere Grundwerte und Grundbedürfnisse werden ja auch in allen Konfessionen angestrebt. Alles andere ist häufig kranker Fanatismus und falsche Auslegung. Diese Vielfalt der Religionen, dieses friedliche Nebeneinander, ist eine Bereicherung unserer Kultur - in Deutschland, in Europa, in der Welt.

Marianne Neumann

Haag

Die Diskussion, ob der Islam oder "nur" die Moslems zu Deutschland gehören, ist eine typisch deutsche und nur auf Wähler abgestimmt. Ob nun der Islam zu Deutschland gehört, ist eine rein semantische Frage. Jauch, Will und Co. werden sich freuen, haben sie doch wieder ein Thema und auch gleich die Dauer-Teilnehmer an den Sendungen, streng darauf achtend, dass das Thema nicht zu kontrovers behandelt wird. Die Zuseher sollten ja unterhalten werden und nicht informiert.

Würde sich etwas ändern, wenn es heißen würde, der Islam gehört nicht zu Deutschland? Müssten dann die Moslems alle gehen? Wie sollen Menschen zu Deutschland gehören, deren Glaube aber nicht? Eine besondere Art der politischen Schizophrenie! Es waren doch Politiker, die gegen den Willen der Mehrheit eine ungezügelte Einwanderung zugelassen haben mit dem Hinweis, wie toll ein multikultureller Staat ist. Jetzt, wo er in Teilen vorhanden ist, schreit man nach dem Staatsanwalt. Eine bodenlose Heuchelei ähnlich wie bei der Einführung des Euro! Probleme, die die Politiker verursacht haben, sind da und die Politiker wissen nicht weiter. Die Naivität, einen europäischen Islam zu schaffen, ist kaum mehr zu überbieten.

Bernhard Gapp

Halfing

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