In Kafkas „Schloß“

Zu „Kein Macher, nirgends“ (Kommentar von GeorgAnastasiadis im Politikteil):

Es ist erfreulich, dass es noch Kommentatoren wie Anastasiadis gibt, die genau beschreiben, was politisch zur Zeit geschieht: ein „B-Personal“ versucht mit untauglichen Mitteln eine Antwort zu geben auf die He rausforderungen, die die Corona-Viren mit ihren Mutationen darstellen. Dieses „B-Personal“ ist nach Anastasiadis‘ Ansicht wenig geeignet, angemessene Antworten zu finden. Die Menschen werden eingesperrt, die freie Berufsausübung verboten, das Homeoffice angeordnet, der Unterricht am Bildschirm erteilt, die Überbrückungshilfen kommen nicht an, Kunst und Wissenschaften, Praktika und Ausbildung liegen darnieder. Man ruft nach Impfstoffen, es geht schleppend voran.

Ich möchte Anastasiadis‘ Sicht noch vertiefen. Mich erinnert die Szenerie der Exekutive an Franz Kafkas Roman „Das Schloß“. K. will zum Grafen Westwest, um seine Anstellung als Landvermesser bestätigt zu erhalten. Er kommt jedoch nie durch.

Das Schloss als Exekutive bleibt ebenso rätselhaft wie der Graf selbst. Dieser Graf ist der Herrscher über dunkle Gestalten, über Bauern mit platt geschlagenen Schädeln, über geheimnisvolle schlafende Sekretäre, über Unter- und Oberkastellane, unfähige Gehilfen und zahllose fragwürdige Frauengestalten.

Wir alle sind der Landvermesser. Versuchen wir uns, dem Grafen zu nähern, so entfernt er sich schon wieder. Dass die Friseure zum 1. März öffnen, ist wieder eine Annäherung an das Schloss. Doch ob wir je den Grafen zu Gesicht bekommen werden, zweifle ich. Kafka tat gut daran, den Roman abzubrechen.

Dr. Ralph P. Crimmann

Prien

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