Immobilienmarkt droht zusammenzubrechen

Zum Bericht „Vorsorge in kritischen Zeiten: Stundung von Verbraucherdarlehen“ (überregionaler Teil):

In dieser Veröffentlichung wird beschrieben, dass Darlehensnehmer, die aufgrund der Coronavirus-Pandemie in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, baldmöglich mit ihrer Bank Kontakt aufnehmen sollen. Angeblich bietet die Kreditwirtschaft eine Unterstützung in Form von Stundungen der Darlehensraten an. Aber das ist so nicht möglich. Bereits in meinem Leserbrief vom 22. November 2016 habe ich Folgendes beschrieben: Am 21. März 2016 trat die EU-Wohnimmobiliendarlehens-Richtlinie in Kraft. Dieses neue Regelwerk erschwert die Vergabe von Wohnbaudarlehen dramatisch. Zu den schon bestehenden Bremsen nach Basel II und III kommt eine weitere Behinderung hinzu. Banken müssen darauf achten, dass sich die Kunden das Wohnbaudarlehen auch leisten können. Was wie eine Banalität klingt, stellt sich als Darlehensverhinderung heraus und wird in Krisenzeiten eine Welle von Zwangsversteigerungen lostreten. Die EU-Richtlinie greift auch in die Abwicklung ein. Banken dürfen keine Aufschübe oder ratenfreie Perioden vereinbaren. Andernfalls drohen massive Strafen.

Diese in Gesetz gegossene Richtlinie nimmt nicht zur Kenntnis, dass eine Bank auch ohne EU-Richtlinie nicht daran interessiert ist, die Darlehensnehmer zu überfordern und in einer Krisensituation das Eigenheim ihrer Kunden zu versteigern. Die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und im späteren Verlauf Bayern, haben im Oktober 2016 eine Bundesinitiative eingebracht, die die eingeschränkte Umsetzung der EU-Richtlinie für Immobiliendarlehen in Deutschland korrigieren sollte. Viel hat sich leider nicht geändert. Die Gefahr eines kollabierenden Immobilienmarktes wird deshalb stärker.

Maximilian Prugger

Kolbermoor

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