Immobilien verschärfen Corona-Krise

Ladenmiete zu bezahlen, fällt durch die fehlenden Einnahmen während der Corona-Krise schwer. Und auch, wer in beengten Verhältnissen wohnt, hat es derzeit schwer. dpa
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Ladenmiete zu bezahlen, fällt durch die fehlenden Einnahmen während der Corona-Krise schwer. Und auch, wer in beengten Verhältnissen wohnt, hat es derzeit schwer. dpa

Zur Berichterstattung über das Corona-Virus (Politikteil):

In einer solchen Lage, wie wir sie jetzt persönlich vorfinden, befinden sich viele Menschen schon seit Jahren; wobei deren Umstände zum Teil immer noch nicht vergleichbar mit unseren sind. Umstände, die die Würde des Menschen missachten. Ich meine damit jene Personengruppe, die sich möglicherweise zu viert ein Zimmer teilen, mit mehreren anderen Parteien eine Küche und Toiletten. Vielleicht kann man noch von Glück sprechen, wenn man zu den Mitbewohnern seine Familienangehörige zählen kann. Wahrscheinlich sollten sie sich auch noch glücklich schätzen, sich frei bewegen zu dürfen – zum Einkaufen oder um in den Kurpark spazieren zu gehen. Von Arbeiten, geschweige denn Homeoffi ce , ist keine Rede.

Trotz dieser Lebensumstände sprechen ein paar Bewohner in den Containern von „Good Aibling“. Die Hoffnung, dass die Container nur eine zwischenzeitliche Wohnsitua tion darstellen, ist bei den Meisten in eine Resignation übergegangen. Für uns wird sich die momentane Wohnsituation früher oder später wieder zum Positiven ändern, für andere in unserem unmittelbaren Umfeld nicht. Möglicherweise haben sie sich gefragt, was sie mit ihrer Zeit, ja sogar mit sich selbst, anfangen sollen. So können sie sich vorstellen, welch existenzielle Fragen sich so mancher Asylbewerber jeden Tag aufs Neue stellt? Wollen Sie gerne in einer Gesellschaft leben, in der nicht jeder Mensch gleichermaßen das Recht auf Wohnen, Familie, Freiheit – ja, auf Leben hat?

Julia Holzner

Bad Aibling

Zum Kommentar von Martin Prem über Mieterschutz in der Corona-Krise (Politikteil):

Kaum unterschiedlicher zum alles beherrschenden Thema „Coronavirus“ und planbare „Abwehrmaßnahmen“ hätten die beiden Kommentare -- im Teil Politik – nicht sein können. Während Kommentator Peter Schmitt an die Gemeinschaft appelliert, ältere Mitbürger nicht a priori als „Corona-Risiko-Gruppe“ zu stigmatisieren und auszugrenzen, kritisiert Wirtschaftsjournalist Martin Prem völlig unsensibel den „staatlich vorgesehenen Mieterschutz“, dass von der Krise tangierte Mieter nicht mehr um ihre Wohnung fürchten müssen, wenn sie momentan – bedingt durch Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit oder Auftragsausfall bei Soloselbstständigen -- die fällige Miete rückständig bleiben und ihnen dadurch unter Umständen die Kündigung drohen könnte.

Erfahrungsgemäß nehmen „Miet-Haie“ wenig Rücksicht auf solche sozialen Notsituationen. Der in den Medien gut vernetzte Wirtschaftsjournalist Martin Prem moniert aber gerade diesen krisenbedingten Kündigungsschutz und bezeichnet diesen in seinem Kommentar kaum nachvollziehbar als „Hilfe auf Kosten Dritter“. Daraus kann geschlossen werden, dass das ehemalige FDP-Mitglied Martin Prem in einer eigenen komfortablen Immobilie im „Münchner Speckgürtel“ wohnt und sich kaum Sorgen ob einer eventuellen Wohnungskündigung machen muss. Ich, der 80-jährige Leserbriefschreiber, gehöre zwar „laut gängiger Definition“ zur höchsten Risikogruppe, wohne aber glücklicherweise in den eigenen vier Wänden im „Rosenheimer Speckgürtel“ und werfe deshalb dem Wirtschaftsjournalisten und Kommentator Martin Prem mangelnde Sensibilität in schwierigen Zeiten, in denen gelebte Solidarität vonnöten ist, vor.

Jürgen Engelhardt

Stephanskirchen

Zum Kommentar von Markus Mäckler „Adidas und das Miet-Desaster“ (überregionaler Teil):

Die Leute, die sich heute darüber aufregen, dass diese Firmen ihre Mietzahlungen einstellen, sind doch die Gleichen, die dort billigst einkaufen wollen. Und das geht immer zu Lasten von anderen. Zu Lasten der Näherinnen in Fernost, zu Lasten der Mitarbeiter hier und jetzt auch zu Lasten der Vermieter.

Sollten die Shitstormer und deren Gutheißer nicht besser überlegen, dass sie es sind, die zu diesem Verhalten beitragen? Aber das hieße ja, vor der eigenen Türe kehren. Und wer macht das schon gerne?

Ludwig Moser

Brannenburg

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