Höhere Gewalt?

Zum Artikel „‚Sabine‘ lässt alle Räder stillstehen“ (Politikteil) und zum Kommentar „Auf Nummer sicher“ (Bayernteil):

Sehr geehrter Herr Walter, Sie haben nicht an der Deutschen liebstes Hobby gedacht: reklamieren und Entschädigungen zu verlangen. Wer nach den tagelangen Vorwarnungen aber trotzdem unterwegs gewesen ist, kann sich keine Hoffnungen auf irgendein Bonbon durch die DB machen. Die steht jetzt zwar auf der einen Seite berechtigterweise in der Kritik, hat aber andererseits Millionen gespart. Irgendwie kann ich die DB-Führung sogar verstehen.

Konrad Bauersachs

Rosenheim

Es klingt nach höherer Gewalt: Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h, umgestürzte Bäume, vom Winde verwehte Dächer … Doch Dirk Walter und Jörg Kachelmann stellen zu Recht kritische Fragen zum fast bundesweiten Zusammenbruch des Schienenverkehrs im Zusammenhang mit Sturm „Sabine“. Vor allem Kachelmanns Hinweis auf pünktlich fahrende Züge in unseren Nachbarländern trifft den Nagel auf den Kopf. Tatsache ist: Die Schweizer lachen sich tot über uns. Bei ihnen gibt es seit vielen Jahren die einfache Regel, dass die Höhe eines Baumes das Maß seines Abstands zum Gleis nicht überschreiten darf. Das wird regelmäßig kontrolliert, und nötigenfalls wird rigoros mit der Kettensäge nachgebessert. So können die Schweizer auch bei Sturm Züge auf die Reise schicken, ohne Reisende und Personal Gefahren auszusetzen. In Deutschland dagegen wird – vermutlich aus Sparsamkeitsgründen – diese Vegetationskontrolle seit Jahrzehnten vernachlässigt. Zusätzlich machen es inzwischen strenge Bestimmungen zum Baumschutz sehr schwierig, Bäume zu fällen, die den Schienenverkehr gefährden (vor demselben Problem stehen übrigens manche Grundstücksbesitzer, denen der schöne Baum hinter dem Haus beim nächsten Sturm aufs Dach zu fallen droht). Wo findet sich endlich jemand, der die Baumschutzbestimmungen dort lockert, wo es aus Sicherheitsgründen sinnvoll ist? Und jemand, der einmal Geld zugunsten sinnvoller Maßnahmen rund um unseren Bahnverkehr lockermacht – nicht nur für groben Unfug wie Stuttgart 21?

Bernhard Edlmann

Raubling

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