Nur höhere Erzeugerpreise helfen

Zur Berichterstattung über die bundesweiten Proteste der Bauern (Politik-, Bayern- und Regionalteil):

Auch als normaler Verbraucher, ohne persönliche Bindungen an die Landwirtschaft, kann ich den Unmut unserer Bauern gut verstehen, die zu Recht befürchten, zwischen hohen Umweltauflagen, unzureichenden Preisen und dem Weltmarkt zerrieben zu werden.

Die Lösung kann aber nicht in der Lockerung von Tierwohlvorschriften, Düngeregeln und Pestizidverboten liegen – diese sind letztlich auch im Interesse der Landwirte zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit, zum Schutz des Grundwassers und der Insekten, insbesondere der Bienen, unverzichtbar. Helfen können den Bauern nur höhere Erzeugerpreise!

Appelle an die Verbraucher, nicht immer nur die billigsten Produkte zu kaufen, sind eine wohlfeile Ausrede, ein Zeichen der Ohnmacht und weitgehend wirkungslos! Es ist naiv, die Schuld an der Misere den Verbrauchern anzulasten, die nicht mehr bezahlen wollen – schließlich leben wir in einer wettbewerbsorientierten Leistungsgesellschaft, in der sich alles ums Geld und um den höchstmöglichen Profit dreht. Da kann niemand erwarten, dass die Menschen plötzlich all ihre verinnerlichten Grundsätze über Bord werfen und bereit sind für Lebensmittel ohne erkennbaren Mehrwert freiwillig mehr zu bezahlen. Das umso weniger, als beim Einkauf überhaupt nicht ersichtlich ist, wie viel der Erzeuger vom Endpreis bekommt – und ob das für ihn auskömmlich ist. Auch die Umstellung auf biologischen Anbau ist keine brauchbare Lösung, wenn die Preise dafür um 100 bis 200 Prozent höher und in ihrer Zusammensetzung genauso undurchsichtig sind.

Hier muss, auch wenn die Politik Eingriffe in den Markt unbedingt vermeiden will, der Staat dafür sorgen, dass die Leistungen der Landwirte ausreichend honoriert werden.

Lothar Schultz-Pernice

Rosenheim

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